Reichsparteitagsgelände
Fakten statt KI-Fälschungen: Neue NS-Ausstellung in Nürnberg
4.11.2026, 14:58
Nach fünf Jahren Umbau hat das Nürnberger Dokumentationszentrum seine neue Ausstellung zum ehemaligen NS-Reichsparteitagsgelände offiziell eröffnet.
Objekte aus der NS-Zeit machen die Vergangenheit für nachfolgende Generationen anschaulich nachvollziehbar. Zudem will die 1.600 Quadratmeter große Ausstellung den Falschinformationen im Internet belegbare Fakten entgegensetzen.
Die Ausstellung zeige, wie die Nationalsozialisten ihre Macht vorbereiteten, wie sie sich inszenierten, Zustimmung organisierten und demokratische Strukturen zerstörten, sagte Nürnbergs Oberbürgermeister Marcus König bei der Eröffnung. «Und sie macht deutlich: Die Reichsparteitage waren keine harmlosen Massenveranstaltungen.»
Steinere Zeugnisse der Nazi-Diktatur
Von 1933 bis 1938 inszenierten die Nationalsozialisten ihre mehrtägigen Parteitage in Nürnberg. Etwa eine Million Menschen kamen dafür als Zuschauer oder Teilnehmer der Aufmärsche, Paraden und Appelle in die Stadt. Doch das elf Quadratkilometer große Areal blieb eine Großbaustelle, viele der großen Bauten blieben unfertig - auch die Kongresshalle, in der sich das Dokumentationszentrum seit 25 Jahren befindet.
Damit ist das Gelände ein Symbol für die Selbstinszenierung der Nazis und das Scheitern ihres Größenwahns. Da viele Zeitzeugen inzwischen tot oder hochbetagt sind, gewinnen nicht nur diese steinernen Zeugnisse an Bedeutung, sondern auch Gegenstände aus der Zeit.
Es habe ein Umdenken bei den Dokumentationszentren gegeben, erläuterte Leiter Imanuel Baumann. Früher habe man allein mit Dokumenten und Fakten aufklären wollen.
Heute seien etwa die NS-Fahne vom Dachboden der Großeltern und die zerbrochene Kristallvase vom Novemberpogrom wie Beweisstücke der Geschichte. «Man erkennt ihren Quellenwert, schätzt ihn viel höher ein, weil eben Menschen, die die Geschichte selbst erzählen können, bald nicht mehr da sind.»
Viele der Objekte in der Ausstellung stammen vom jüdischen US-Sammler Robert Bernat, der zu dem Festakt in Nürnberg gekommen war. Als Lehrer habe er festgestellt, dass junge Menschen deutlich mehr lernten, wenn sie richtige Objekte gezeigt bekämen statt nur Bilder in PowerPoint-Präsentationen, sagte er. Deshalb seien Objekte der beste Weg, damit künftige Generationen den Nationalsozialismus, den Zweiten Weltkrieg und den Holocaust verstehen könnten. «Sie machen das Thema greifbar.»
Wichtig sei aber auch der Umgang mit solchen Objekten in der Ausstellung, betonte Baumann. «Natürlich hängen wir nicht eine Hakenkreuzfahne als Selfiespot auf, sondern falten sie so, dass das Hakenkreuz erkennbar, aber nicht in seiner Ganzheit sichtbar ist.»
«Unersetzlicher Ort» in Zeiten von KI-Fälschungen
Neu ist auch, dass die Ausstellung ihre historischen Quellen und den Umgang damit offenlegt. Dadurch will sie auch einen Kontrapunkt zum Internet setzen, wo gefälschte historische Dokumente, Bilder und Videos im Umlauf sind. «Mit Künstlicher Intelligenz lässt sich auch die Vergangenheit fälschen», sagte der frühere deutsche Bundespräsident Christian Wulff bei dem Festakt. «Darum sind Orte wie dieser unersetzlich.»