US-Werk von Audi
Audi-Chef bei Trump: Kritik und Rücktrittsforderung
26.10.2026, 14:39
Nach dem gemeinsamen Auftritt mit US-Präsident Trump, bei dem Audi-Chef Gernot Döllner den Bau eines US-Werks angekündigt hat, prasselt Kritik von Arbeitnehmerseite und Politik auf den Manager ein. Die Worte sind deutlich, Linken-Chef Luigi Pantisano fordert sogar seinen Rücktritt.
Trump hatte am Samstag überraschend den Bau eines Audi-Werks in Perry im US-Bundesstaat Georgia angekündigt. Döllner trat anschließend auf die Bühne und dankte dem US-Präsidenten für dessen Unterstützung. Der Chef der VW-Tochter ist auch Mitglied im Wolfsburger Konzernvorstand.
Vor Scham im Boden versinken
«Etliche Minuten voller Rassismus, Sexismus, Fremdenhass, Transphobie, Verächtlichmachung der Demokratie - und dann tritt einer unserer obersten Konzern-Repräsentanten auf die Bühne und betreibt aktive Wahlkampfhilfe», sagte VW-Konzernbetriebsratschefin Daniela Cavallo in einem internen Interview, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Wer die Rede von Trump gehört habe und dann habe wahrnehmen müssen, dass Döllner zum aktiven Teil dieser Veranstaltung geworden sei, müsse vor «Scham im Boden versinken».
Cavallo sparte auch nicht mit Kritik am gesamten VW-Konzernvorstand um Chef Oliver Blume. Von Trump, «einer höchst zweifelhaften politischen Figur, die gegen so ziemlich jeden unserer Unternehmenswerte verstößt», habe sich der Vorstand «zur Marionette in dessen Propaganda-Show machen lassen». Dass umgehend erste Vergleiche zur VW-Geschichte gezogen würden, spreche für sich. Es sei ein Spiel mit dem Feuer. Volkswagen ist in der Nazi-Zeit gegründet worden und diente dem Regime von Adolf Hitler als Vorzeigeunternehmen.
Pantisano: Döllner muss seinen Hut nehmen
Linken-Chef Pantisano geht einen Schritt weiter: «Ich finde, es ist eindeutig: Audi-Vorstandschef Gernot Döllner muss seinen Hut nehmen», sagt er dem Nachrichtenportal «t-online». «Gerade bei VW, wo das Land Niedersachsen mit in Verantwortung ist, muss das Konsequenzen haben.»
Trump mache Politik für die Interessen der Reichen und Mächtigen, Mitbestimmung und Arbeitnehmerrechte seien ihm ein Dorn im Auge und die Menschen litten unter den Folgen seiner Kriege, sagt Pantisano. «Und dann kommt ein deutscher Konzernchef auf die Bühne und macht Wahlkampfhilfe für diesen Autokraten.»
Auch aus der IG Metall kommt Kritik: «Die Art und Weise, wie Gernot Döllner sich und Audi in den USA präsentiert hat, ist höchst peinlich, politisch inakzeptabel und dem Unternehmen, vor allem aber den Audianerinnen und Audianern, nicht würdig», sagt Christiane Benner.
Einschnitte in Deutschland - Milliarden für US-Werk
Der bayerische IG-Metall Bezirksleiter Horst Ott greift zu noch etwas schärferen Worten: «Der Audi-Chef wirft sich schamlos dem US-Präsidenten an den Hals und lässt sich lächelnd für dessen reaktionären Wahlkampf instrumentalisieren», sagt er. «Für einen großen PR-Auftritt im US-Markt verrät der Audi-Chef die Unternehmenswerte.» Von den Beschäftigten in Deutschland verlange das Unternehmen immer mehr Einschnitte. «Gleichzeitig sind jetzt mehrere Milliarden Euro da, um in den USA ein neues Werk zu bauen. Dieser Zusammenhang ist erklärungsbedürftig.»
Benner kritisierte zudem, Döllner verletze eklatant die eigenen Unternehmensregeln, die ausdrücklich politische Neutralität im Vorfeld von Wahlen verordnen. Die US-Zwischenwahlen finden bereits am 3. November statt. Auch Pantisano und Cavallo kritisieren dies. Letztere sagt: hier liege «sicherlich ein klarer Verstoß» vor.
Auf Seite 34 dieser Richtlinien heißt es zum Thema politische Neutralität: «Um diesen Grundsatz zu respektieren, werden in den drei letzten Monaten vor Wahlen keine öffentlich wirksamen Termine mit zur Wahl stehenden Parteien/Politikern und keine Sponsorings von entsprechenden Veranstaltungen mehr durchgeführt.»
Der niedersächsische Ministerpräsident Olaf Lies, der auch Mitglied im VW-Aufsichtsrat ist, äußerte sich ebenfalls kritisch: «Eine Wahlkampfveranstaltung kann nicht der richtige Ort sein, eine solche Investition zu verkünden», erklärte er. «Dieser Auftritt hat Befremden ausgelöst, bei den Beschäftigten, die hier um ihre Arbeitsplätze bangen, und weit darüber hinaus. Das kann ich gut verstehen, mir geht es genauso. Hier wurde ein Unternehmensverantwortlicher zum Teil einer politischen Inszenierung.»
Auch aus der CDU kommt Kritik. Der Chef des Arbeitnehmerflügels, Dennis Radtke, sagte dem «Handelsblatt» es sei normal und verständlich, wenn deutsche Unternehmen in den USA investierten, «daraus allerdings eine Wahlkampfinszenierung für Donald Trump zu machen, ist verstörend und erbärmlich». Trump schade mit seiner Politik massiv der deutschen Industrie.
Radtke forderte den Volkswagen-Konzern zudem auf, Konsequenzen aus dem Auftritt zu ziehen. «Wenn die Ethik- und Compliance-Regeln für Vorstand und Aufsichtsrat von Volkswagen mehr darstellen sollten als eine Mischung aus Management-Kalenderblattsprüchen und Wandtattoos, dann müssen sie sich jetzt klar dazu positionieren.»
Audi will in den USA produzieren
Die Ingolstädter wollen in Georgia jährlich 200.000 Sportgeländewagen (SUV) produzieren. Geplant sind Investitionen in Höhe von vier Milliarden Dollar (rund 3,6 Milliarden Euro), 4.500 Arbeitsplätze sollen entstehen. Audi nennt 2027 als Baubeginn, der Produktionsstart soll Anfang der 2030er Jahre erfolgen. Es wäre das erste Werk der VW-Premiumtochter in den Vereinigten Staaten. Audis Absatz ist derzeit im Sinkflug. Auch in den USA ging er zuletzt deutlich nach unten. Dass die Ingolstädter dort - anders als beispielsweise Konkurrent BMW - kein eigenes Werk haben, gilt als einer der Gründe.
Die Pläne für ein Audi-Werk in den USA bewertet die VW-Betriebsratschefin nüchterner als den Auftritt Döllners. Rein betriebswirtschaftlich könne das Sinn ergeben, sagte Cavallo. Der US-Markt zähle zu den größten und lukrativsten der Welt, der Marktanteil von VW sei dort aber immer noch viel zu klein. Zugleich seien die Zölle wegen Trump hoch und kosteten den Konzern Milliarden. Es spreche vieles für eine verstärkte Fertigung in den Vereinigten Staaten.
Nach Audis Ankündigung seien aber noch viele Fragen offen, sagt Cavallo - etwa, ob es im Gegenzug Zollerleichterungen für den gesamten VW-Konzern gebe. Ebenso unklar sei, wie belastbar solche Zusagen über einen möglichen Regierungswechsel hinaus wären. Zudem komme es darauf an, welche Auswirkungen es auf die anderen Werke, etwa in Deutschland gebe. «Ohne ein Gesamtbild zur Planungsrunde mit dem Gesamtblick auf alle Standorte geben wir kein grünes Licht.»