Literature
Memoiren der Ärztin und Frauenrechtlerin Rahel Straus
18.10.2026, 08:22
Sie war eine Pionierin des Mädchenabiturs und des Medizinstudiums für Frauen. Als Jüdin, Ärztin und Frauenrechtlerin setzte Rahel Straus (1880-1963) Maßstäbe für die Frauenemanzipation in Deutschland.
Nach der Machtübernahme der Nazis ging sie nach Palästina. Dort schrieb sie ihre Memoiren über ihre Kindheit und Jugend, die Anfang der 1960er Jahre ein Bestseller wurden. Seither wurde das Buch «Wir lebten in Deutschland» nicht wieder aufgelegt. Umso erfreulicher ist es, dass jetzt der Aufbau-Verlag in seiner Reihe «Die Andere Bibliothek» eine Neuausgabe herausgegeben hat.
Rahel Straus' Memoiren sind nämlich heute noch lesenswert, erzählen sie doch wie wenige andere Werke lebendig und anschaulich vom jüdischen Alltag in Deutschland vor der Zerstörung durch die Nationalsozialisten. Darüber hinaus sind die Erinnerungen auch ein Stück Emanzipationsgeschichte, denn sie schildern den mutigen Weg eines Mädchens, das sich aller Widerstände zum Trotz eine Gymnasialausbildung und ein Universitätsstudium erkämpfte und später als eine der ersten Frauen in Deutschland eine eigene Arztpraxis führte.
Eindrücklich und immer noch aktuell beschreibt Rahel Straus ihre Probleme als berufstätige Mutter, in denen sich viele Frauen heute wiedererkennen werden. Die Neuausgabe wird ergänzt durch bisher kaum veröffentlichte persönliche Fotos und ein Nachwort der Historikerin Heike Specht.