Champions League
Verdorbener Geburtstag für Kovac: BVB mit Frust nach Berlin
15.10.2026, 13:50
Sein Geburtstag hätte schöner ausfallen können. Mit nun 55 Jahren wurde Niko Kovac bei nasskaltem Wetter am Donnerstag auf dem Weg zum Flughafen im nordnorwegischen Bodö noch einmal unmittelbar mit der BVB-Blamage vom Vorabend konfrontiert. Nur rund 800 Meter entfernt vom Flughafen hatte Borussia Dortmund beim 0:1 (0:0) bei FK Bodö/Glimt die erste Saisonniederlage kassiert. «Das war unser erstes richtig schlechtes Spiel. Das war nicht gut, das wissen wir», schimpfte BVB-Coach Kovac.
Trotz der schmerzhaften Niederlage hatte es wenig später noch eine kleine Kabinenparty für das Geburtstagskind gegeben. Doch Kovac, der schon am Dienstag mit einer Vertragsverlängerung bis 2029 beschenkt worden war, war nicht zum Feiern zumute. Denn abgesehen von der unnötigen Niederlage wusste der BVB-Trainer um seinen Anteil daran. «Ich habe die Mannschaft aufgestellt. Wir haben mit denen, die gespielt haben, nicht richtig gelegen. Ich habe entschieden und übernehme die Verantwortung», sagte der Trainer.
Kovac übernimmt Verantwortung
«Das ehrt Niko», sagte Lars Ricken angefressen. Gerade erst hatte der Sportchef bei der Vertragsverlängerung die Arbeit seines Trainers seit Februar 2025 in den höchsten Tönen gelobt. Doch in Norwegen hat sich Kovac verzockt. Der Verzicht auf Nico Schlotterbeck nach dessen Sprunggelenksverletzungen zuletzt angesichts der Bedingungen auf dem Kunstrasen in Bodö erschien noch nachvollziehbar.
Dabei hätte ein Mentalitätsspieler wie der Nationalverteidiger definitiv gutgetan. «In vielen Bereichen hat die Intensität gefehlt», gestand Abwehrkollege Waldemar Anton bei DAZN. «Das war deutlich zu wenig.» Kovac ärgerte sich mehr über die fünf Spieler, die er im Vergleich zum 2:2 gegen Werder Bremen in der Bundesliga am vergangenen Freitag in die Startelf rotiert hatte.
«Jeder Einzelne im Kader hat die Möglichkeit zu spielen und auch die Qualität. Das hat heute nicht geklappt. Das muss ich ganz klar sagen», schimpfte Kovac. Insbesondere in der Offensive enttäuschten Fábio Silva, der Serhou Guirassy ersetzte, und Samuele Inacio massiv. Für Inacio, der anstelle von Ethan Nwaneri auflief, war es der erste Startelf-Einsatz seit seiner Roten Karte am ersten Spieltag gegen den Hamburger SV.
«Du musst die nötige Aggressivität haben, die nötige Intensität haben im Zweikampf. Du musst natürlich auch im Ballbesitz den Ball sehr viel besser verarbeiten», sagte Kovac vielsagend zur Dortmunder Offensive, in der auch Maximilian Beier ein Totalausfall war. «Wenn du den Ball immer in den Fuß verlangst und nie die Tiefe attackierst und nicht die Kette sprengst, ist es relativ einfach zu verteidigen.» Erst nachdem Kovac Guirassy, Nwaneri, Felix Nmecha und Julian Ryerson brachte, änderte sich das Spiel in der zweiten Halbzeit zugunsten der Westfalen - zu spät.
Noch keine Alarmstimmung
Damit steht der so gut in die Saison gestartete BVB nach dem zweiten sieglosen Spiel nacheinander vor der ersten Herausforderung in dieser Spielzeit. Am Samstag bei Union Berlin ist eine Reaktion gefragt. «Ich kann das Spiel kaum erwarten. Mit ein bisschen Wut im Bauch dahinzufahren, ist auch nicht verkehrt», meinte Ricken.
«Wir wissen, was es in Berlin braucht», sagte Kovac, der sein Team anders aufstellen dürfte, denn «es wird auch wieder viel um Einsatz, viel um Leidenschaft gehen, erst dann können wir auch Fußball spielen».
Trotz leichtfertig verspielter Punkte und der entgangenen Millionen-Prämie der UEFA für einen Champions-League-Sieg sind die Verantwortlichen aber noch nicht alarmiert. «Es gibt auch gar keinen Grund, grundsätzliche Themen zu suchen», sagte Sportdirektor Ole Book, warnte aber auch deutlich: «Das darf nur nicht wieder passieren.»