Erinnerungskultur
Bundespräsident Steinmeier: «Wir vergessen das Unrecht nicht»
12.10.2026, 13:09
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat auf die Bedeutung der Erinnerung an Nationalsozialismus, Holocaust und Massenmord hingewiesen. «Wir vergessen das Unrecht nicht, und wir verdrängen es nicht», sagte er. Was sich nicht wiederholen solle, dürfe nicht vergessen werden. An seinem Amtssitz am Spreebogen enthüllte er eine Gedenktafel. Sie erinnert an eine in den Holocaust verstrickte Finanzbehörde des NS-Regimes, die zwischen 1942 und 1945 auf dem Grundstück untergebracht war.
Steinmeier wies auf deren Geschichte hin: Das Hab und Gut unter anderem von Jüdinnen und Juden, die während des Holocaust aus Berlin und Brandenburg verschleppt worden waren, zu beschlagnahmen, versteigern und zu verkaufen, war die Aufgabe von rund 200 Mitarbeitern der sogenannten Vermögensverwertungsstelle. Steinmeier nannte sie Schreibtischtäter in der bürokratischen Maschinerie des Massenmords, die für den NS-Staat legalisierten Raub begingen.
Steinmeier fordert Wachsamkeit
«Die Geschichte der Vermögensverwertungsstelle mahnt uns zur Wachsamkeit», so der Bundespräsident. Der demokratische Staat brauche Beamte und Angestellte, die Verantwortung für Menschenwürde, Freiheit und Demokratie übernehmen. Und er brauche Bürgerinnen und Bürger, die sich dafür einsetzten, dass Regierung und Verwaltung nicht in die Hände der Verächter der freiheitlich-demokratischen Grundordnung fielen.
Der Bundespräsident und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben im Sommer einen Neubau am Spreebogen bezogen. Sein eigentlicher Amtssitz im Schloss Bellevue soll über mehrere Jahre saniert werden.
Die Gedenktafel hat im Rahmen der Wiedereinweihung einen neuen Platz bekommen. Sie stand seit 1994 zunächst an der Straße und wurde ab 2022 während der Bauphase des aktuellen Übergangsquartiers des Bundespräsidialamts vom Verein «Gleis 69» verwahrt.