Literatur

Das bringt die Frankfurter Buchmesse

28.09.2026, 14:51

Wer kommt zur Frankfurter Buchmesse? Welche Themen bewegen Leser, Verleger und Buchhändler? Und wieso liegt Tschechien am Meer?

Von Sandra Trauner, dpa

Bessere Orientierung auf dem Gelände, maßgeschneiderte Angebote für Fans: Die Frankfurter Buchmesse erfindet sich jedes Jahr ein Stück weit neu. Die 78. Ausgabe ist aus verschiedenen Gründen besonders. Die wichtigsten Fakten:

Früherer Termin mit Folgen

Die Buchmesse findet in diesem Jahr früher als sonst statt: vom 7. bis 11. Oktober. Nach der Eröffnungsfeier am Dienstagabend sind die ersten zwei Tage Fachbesuchern vorbehalten. Ab Freitag ist jeder willkommen, der gern liest.

Der frühere Termin hat zur Folge, dass in Stockholm der Literatur-Nobelpreis verkündet wird, während die Messe läuft (8. Oktober). 

Die Zahl der Aussteller bewege sich «auf dem Niveau der Vorjahre», sagt Buchmessen-Sprecher Torsten Casimir. Zuletzt waren 4.350 Aussteller aus mehr als 100 Ländern und 238.000 Besucher nach Frankfurt gekommen. 

Wer kommt?

Zu den prominentesten Gästen gehört der Musiker und Autor Wolf Biermann, der im Oktober den ersten Band seiner Tagebücher, einen neuen Gedichtband und die Neuauflage eines Kinderbuchs herausbringt. Er wird in diesem Jahr 90 Jahre alt, vor 50 Jahren wurde er aus der DDR ausgebürgert. Die Veranstaltung «Ihr löscht das Feuer mit Benzin» auf der Buchmesse (7. Oktober) ist der Auftakt seiner Tournee. 

Parallel tritt am Mittwochabend Gisèle Pelicot auf. Mit den Worten «Die Scham muss die Seite wechseln» wurde sie im Prozess gegen ihren Ex-Mann und über 50 weitere Täter vom Opfer zur Heldin. Der Satz ist auch der Titel ihres Buches, das sie in der Nationalbibliothek vorstellt. 

Ein internationales Schwergewicht ist der US-Autor Colson Whitehead. Für «Underground Railroad» bekam er 2017 den Pulitzer-Preis. Er ist am Messe-Freitag auf der Bühne von ARD, ZDF und 3sat zu erleben, wo er über seinen neuen Roman «Cool Machine» spricht.

Bekannte deutsche Autoren sind zum Beispiel Charlotte Link, Sebastian Fitzek, Jenny Erpenbeck oder Cornelia Funke. Auch Politiker wie Robert Habeck oder Filmemacher wie Volker Schlöndorff werden erwartet. Gleich mehrere Astronauten sind dabei und ein japanischer Jodler. 

Tschechien sagt Ahoi

Ehrengast ist in diesem Jahr Tschechien. Der Gastland-Auftritt steht unter dem Motto «Ein Land an der Küste». Wer jetzt an seinen Geografie-Kenntnissen zweifelt: Gemeint ist «eine Küste, an der Sprache, Geschichten und Ideen anlanden», wie der Direktor des Ehrengastauftritts, Martin Krafl, erklärt. 

75 tschechische Autorinnen und Autoren reisen für die Messe nach Frankfurt. 150 Neuerscheinungen tschechischer Autorinnen und Autoren erscheinen in deutschsprachigen Verlagen. 100 Veranstaltungen sind geplant.

Im Ehrengast-Pavillon soll Künstliche Intelligenz (KI) eine große Rolle spielen. Aufblasbare Elemente dienen als Raumteiler, Sitzgelegenheiten und Leinwände zugleich. Aus einem Leuchtturm und Bojen werden mit Hilfe von KI Zitate tschechischer Literatur projiziert. 

Gelände neu geordnet 

Das Messegelände wurde für die 78. Ausgabe neu geordnet. Hintergrund ist, dass die Halle 6 wegen Baumängeln nicht mehr genutzt werden kann. Die dadurch nötige Umplanung nutzte die Buchmesse, um für mehr Übersichtlichkeit, kürzere Wege und hoffentlich weniger Gedränge zu sorgen, wie Buchmessen-Sprecherin Ines Bachor erklärt. 

Alle Publikumsverlage sind diesmal in den Erdgeschoss-Ebenen untergebracht. Während oben Geschäfte gemacht werden, finde unten «ein riesiges Literaturfestival» statt, sagt Bachor. Auf der Freifläche in der Mitte des Geländes kann man Autoren treffen, Selfies machen und Autogramme sammeln.

Das Event-Programm wurde noch mal erweitert. Auf zehn Bühnen sind mehr als 1.000 Sprecher zu erleben. Neu sind thematische «Erlebniswelten», etwa für Krimifans (am Publikumswochenende mit realen Polizisten), Podcast-Hörer (mit Podcasts, die in Studios auf dem Messegelände aufgezeichnet werden) oder Comic-Liebhaber (zum Beispiel mit Manga-Zeichen-Kursen).

Flankierend zwei Preise

Vor Beginn der Messe wird der Deutsche Buchpreis für den besten Roman des Jahres bekanntgegeben (5. Oktober). Auf der Shortlist nominiert sind Shida Bazyar («Die Lücken»), Franziska Gänsler («Orca»), Valeria Gordeev («Die Zikade entschlüpft ihrer goldglänzenden Hülle»), Elias Hirschl («Schleifen»), Peggy Mädler («Selbstregulierung des Herzens») und Dana Vowinckel («Anton und Alma»). 

Zum Abschluss wird in der Paulskirche der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels verliehen (11. Oktober). Er geht in diesem Jahr an den französisch-britischen Menschenrechtsanwalt Philippe Sands. Der Preisträger setzt sich «für Gerechtigkeit, Frieden und die beharrliche Verteidigung des Völkerrechts ein», wie Börsenvereins-Vorsteher Sebastian Guggolz die Ehrung begründet.

Getrübte Stimmung 

Die Buchbranche kriselt unterdessen. Der Umsatz lag 2025 mit 9,62 Milliarden Euro 2,7 Prozent unter dem von 2024. Im ersten Halbjahr 2026 sank der Umsatz um 4,1 Prozent im Vergleich zu den ersten sechs Monaten des Vorjahres. Die Zahl der Buchkäuferinnen und Buchkäufer schrumpft - insgesamt von 2024 auf 2025 um knapp fünf Prozent. 

Ein Grund: «Jahrzehntelange Versäumnisse in der Bildungspolitik haben zu einer fortschreitenden Verschlechterung der Lesekompetenz geführt», sagt Börsenvereins-Vorsteher Guggolz. «Aufmerksamkeit ist zunehmend umkämpft», sagt Buchmessen-Direktor Juergen Boos. Für Boos ist diese Messe nach 21 Jahren die letzte. Er geht in Ruhestand. Neuer Buchmessen-Chef wird Joachim Kaufmann, langjähriger Geschäftsführer des Carlsen Verlags.