Olympia

Bewerberstadt München träumt von Sommerspielen 2036, 2040 oder 2044

27.09.2026, 09:31

Die Wahl ist entschieden: München ist der deutsche Olympia-Bewerber, Köln-Rhein-Ruhr geht leer aus. Jetzt wartet auf Bayerns Sommerspiele-Planer die noch größere Hürde.

Christian Hollmann und Christian Johner, dpa

Der Achterbahn-Mutprobe für Bayerns Ministerpräsident Markus Söder auf dem Oktoberfest folgt für Münchens frisch gekürte Olympia-Bewerber erst noch die größte Herausforderung. Nach dem gewonnenen nationalen Wahl-Duell gegen Köln-Rhein-Ruhr muss Bayerns Landeshauptstadt auf der Weltbühne beweisen, dass der deutsche Traum von Sommerspielen 2036, 2040 oder 2044 wirklich wieder wahr werden kann. «Ich glaube, dass Deutschland besser dasteht, dass wir mehr Chancen haben als die letzten Male», sagte Söder mit Blick auf zuletzt sieben gescheiterte Bewerbungen um Olympia und Paralympics.

Um die versprochene Fahrt im Olympia-Looping auf dem Oktoberfest kommt der Politiker jetzt nicht mehr herum, nachdem die süddeutschen Münchner mit 91:50 Stimmen deutlicher als erwartet beim Votum des Deutschen Olympischen Sportbunds in Baden-Baden gegen die Rivalen aus Nordrhein-Westfalen gewannen. Münchens Oberbürgermeister pocht auf den Wetteinsatz, doch nicht nur in dieser Sache macht Dominik Krause Druck. Für das Zehn-Milliarden-Projekt der Isar-Metropole fordert der Politiker umgehend Finanz-Zusagen des Bundes und Tempo bei den nötigen Baumaßnahmen.

Merz: «Olympia gehört nach Deutschland»

München soll nach 1972, als Olympia das bislang letzte Mal in Deutschland gastierte, schnellstmöglich wieder bereit sein für die Gastgeber-Rolle. «Wir können mit den Infrastrukturkosten nicht warten, bis die Entscheidung des IOC gefallen ist. Wir müssen jetzt loslaufen», mahnte Krause. Mit Ausnahme von Fußballspielen in Stuttgart und den Segelwettbewerben in Kiel sollen sämtliche Wettkämpfe in Bayern stattfinden.

Positive Signale kamen umgehend aus dem Kanzleramt. «Olympia gehört nach Deutschland. München ist unser Kandidat für die Bewerbung, ganz Deutschland steht dahinter», übermittelte Bundeskanzler Friedrich Merz. Der deutsche Finanzminister Lars Klingbeil gab via Instagram sogar «eine Olympia-Garantie: Wir wollen und wir können uns Olympische Spiele in Deutschland leisten.»

Der neue Sport-Staatsminister Ronald Rauhe versprach: «Der Kanzler ist sich bewusst, dass er jetzt in Aktion treten muss.» Mit Nachdruck sollen Münchens Pläne beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) platziert werden. Im März 2027 wollen Deutschlands Olympia-Macher dabei sein, wenn bei einer Vorauswahl die aussichtsreichen Kandidaten in den sogenannten «Strategischen Dialog» mit dem IOC aufrücken. 2029 werden Olympia und Paralympics 2036 vergeben, womöglich auch die für 2040.

Was München noch zu tun hat

Es gebe «hohe Aufmerksamkeit im IOC, hohe Neugier auf die deutsche Bewerbung», versicherte das deutsche IOC-Mitglied Michael Mronz; er wird als kommender Präsident des Deutschen olympischen Sportbundes (DOSB) gehandelt. Mit kurzen Wegen, Bayerns Wirtschaftskraft, Tradition und Großereignis-Erfahrung will München auch die internationale Konkurrenz überflügeln.

Noch sind viele Hausaufgaben zu erledigen. Die Münchner müssen viel Geld beschaffen, Wettkampfstätten wie das denkmalgeschützte Olympiastadion sanieren und eine knifflige Grundstücksfrage für das olympische Dorf lösen. «Wir stehen unter besonderer Beobachtung, und deswegen wird das Deutschland hinkriegen», sagte Söder, der schon auf der Fernsehbühne erklärt hatte: «Wenn es am Ende am Geld scheitern sollte bei der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt, das wäre peinlich.»

Zum Schluss hatten der Ministerpräsident und die bayerischen Olympia-Planer noch einmal heftig bangen müssen. Schien Köln-Rhein-Ruhr doch auf der Zielgeraden eine Aufholjagd zu gelingen. Bei der kurz zuvor veröffentlichten Evaluation der DOSB-Prüfer lag Münchens Konzept nur knapp vorn. «Ich habe im Kopf durchgespielt, was sag ich, wenn wir verlieren», bekannte Söder. Sein Mitstreiter Krause beteuerte: «Die Freude ist jetzt unendlich, wir haben ganz schön gebangt.»

Panne bei der Wahl-Show

Die Anspannung löste sich erst, als DOSB-Präsident Thomas Weikert den geöffneten Sieger-Umschlag bei der Übergabe an Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ziemlich unbeholfen so hielt, dass der Name des Gewinners schon vor der Verkündung zu lesen war. 

Am Ende schien der großen Mehrheit der DOSB-Delegierten das Wagnis mit Köln-Rhein-Ruhr zu groß. Die Verkehrsprobleme im staureichen Nordrhein-Westfalen (NRW) und die mangelnde internationale Strahlkraft von Standorten wie Wuppertal, Recklinghausen und Herten wogen beim Votum wohl zu schwer. «Am Ende entscheiden Nuancen», sagte NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst.