Gesellschaft

Neue Emil-Verfilmung: Clevere Kinder jagen Dieb durch Berlin

20.09.2026, 16:09

Die Neuverfilmung von «Emil und die Detektive» bringt Erich Kästners Kinderbuchklassiker sehenswert ins Berlin von heute – mit mehr Mädchen als früher, mit E-Scootern und einem Auftritt von Zah1de.

Von Gregor Tholl, dpa

Schon an den Vornamen der Kinderschauspieler sieht man den Lauf der Zeit: In der Kästner-Verfilmung «Emil und die Detektive» von 1931 hießen die Hauptfigur Emil und seine Freundin Pony im wahren Leben Rolf und Inge, beim Film von 1954 dann Peter und Claudia, beim Film von 2001 Tobias und Anja - und jetzt im Jahr 2026: Nicholas Jonah und Lara Toni.

Es ist mal wieder so weit: Filmproduzenten haben den genial-simplen Emil-Stoff von Erich Kästner entdeckt. Der Kinderbuchklassiker wurde im Jahr 1929 veröffentlicht, seitdem ist er schon einige Male fürs Kino verarbeitet worden. 

Der neue Film (Kinostart 24. September) holt den Stoff behutsam in die Jetzt-Zeit, ins Berlin von heute - und ist dabei ein unterhaltsamer Spaß für Klein und Groß. Es gibt auch einen Cameo-Auftritt von Rapperin und TikTok-Star Zah1de.

Darum geht es in dem fast hundert Jahre alten Roman

Im Roman «Emil und die Detektive» verfolgt der junge Emil Tischbein aus der Provinz, gemeinsam mit neuen Berliner Freundinnen und Freunden, einen skrupellosen Dieb, der ihm in den Sommerferien während der Zugfahrt nach Berlin Bargeld gestohlen hat, das eigentlich seine Oma bekommen sollte. 

Am Ende holt sich Emil – in cleverer Zusammenarbeit mit anderen Kindern – geschickt die Geldscheine zurück und überführt auf diese Weise auch einen von der Polizei lange gesuchten Kriminellen.

Der neue Film wurde vor einem Jahr gedreht

In der Rolle des Emil ist in der neuen Verfilmung Nicholas Jonah Peter zu sehen, der inzwischen 14 Jahre alt ist. Gedreht wurde 2025 im August, September und Oktober. An seiner Seite spielen zum Beispiel Lara Toni Lüdders (die Rolle der Pony) und Kilian Kasa (den hilfsbereiten Gustav).

Pony ist 2026 keine Cousine von Emil, sondern ein starkes Nachbarskind der Berliner Oma Renate (gespielt von der stets wunderbaren Ursula Werner). 

Die toughe Großstadtgöre Pony holt Emil unbekannterweise am Bahnhof ab und fragt sich: «Wer sieht hier nach "Dorfi" aus?» Der zuvor in Emils Leben aufgetauchte Gustav, der sich nur so nennt, weil sein echter Name angeblich zu kompliziert für Deutsche zu merken sei, hat 2026 keine Hupe dabei, wie im Roman, sondern ist ein ambitioniertes Kind mit Nahost-Migrationshintergrund.

Aktuelle Berlin-Klischees werden auf die Schippe genommen

Der neue «Emil»-Film ist ein gelungener Berlin-Streifen, in dem ganz beiläufig aktuelle Hauptstadt-Aufreger vorkommen, darunter Service-Kräfte, die kein Deutsch können («English, please»), das Klischee besonders kriminogener U-Bahn-Linien («Bist du U8 gefahren?») und tagsüber verpeilte Szenegänger («Das sind keine Zombies, sondern Druffis»).

Regie führte David Dietl, der in Los Angeles geborene Sohn des Regisseurs Helmut Dietl («Kir Royal»); das Drehbuch schrieb Antonia Scheurlen.

Während das Buch von Kästner ein «Jungens-Roman» mit entschlossenen Bengels war, wie man um 1930 herum zu sagen pflegte, ist die Filmversion fast hundert Jahre später wesentlich geschlechtergerechter.

Der kleine Dienstag ist jetzt ein Mädchen

Die Figur des kleinen Dienstags, ein reiches Kind, das im Buch für die Kinderdetektive als Telefonzentrale mit Festnetzanschluss fungiert, ist jetzt ein technisch versiertes Mädchen mit Smartphone (gespielt von Bela Louis Plass). Emil selbst hat nur ein «Kinder-Handy», also ein altes Mobiltelefon ohne Internet.

Um den Ganoven, der sich Max Grundeis nennt, verfolgen zu können, werden ihm im neuen Film einmal unauffällig moderne AirPods zugesteckt, damit er geortet werden kann. Der fiese Dieb wird gespielt von Merlin Sandmeyer («Die Discounter»). Der Schauspieler ist für seinen roten Oberlippenbart bekannt.

Statt auf normalen Fahrrädern oder mit einem Roller unterwegs zu sein, steigen die Kinder 2026 auch mal auf E-Scooter und kurven durchs sommerliche Kreuzberg. Auch mehrere auf einem Scooter - tz!

Statt aus Neustadt ist Emil jetzt aus Bernburg

Emil Tischbein stammt im Roman aus einem fiktiven Neustadt – Hauptsache deutsche Provinz, nicht näher spezifiziert. Im Film 2026 ist er in Bernburg (Saale) in Sachsen-Anhalt zu Hause.

Seine Mutter Anna Tischbein (Luise Heyer) ist von Beruf Friseurin, wie schon im Roman. Im Buch starb der Vater, ein Klempnermeister, als Emil fünf Jahre alt war. Im neuen Film war der Vater leitender Flugbegleiter (Purser) und kam unter nicht näher genannten Umständen vor ein paar Jahren ums Leben.

Im Roman von 1929 gibt die Mutter dem zwölfjährigen Emil 140 Mark Bargeld mit – zur finanziellen Unterstützung der Großmutter. 2026 sind daraus «über tausend Euro» geworden.

Emil fährt ICE statt alter ratternder Eisenbahn

Im Roman verlässt Emil in Berlin die Eisenbahn mit lauter Abteilwagen am Bahnhof Zoo; im Film 2026 reist er im modernen Schnellzug ICE und steigt am gläsernen und schrecklich unübersichtlichen Hauptbahnhof aus.

Alles in allem ist der neue Emil-Film eine authentischere Neuverfilmung als die Version von 2001. Vor 25 Jahren mimte Jürgen Vogel den Bösewicht. Einiges wurde damals am Stoff eher zum Schlechten verändert und auch aufgeblasen. 

So lebte Emil etwa bei seinem Vater, der nach der Wende arbeitslos geworden ist (die Mutter war abgehauen und lebte mit neuem Mann in Kanada). Er besuchte in Berlin nicht seine Oma, sondern die Schwester seines Lehrers.

Im neuen Film, der besser ist, als sein Trailer vielleicht vermuten lässt, liegt der Schwerpunkt warmherzig auf den ursprünglichen Werten des Kästner-Buchs. 

Das heißt: Sozial realistisch und auf Augenhöhe für Kinder wird gezeigt, wie wichtig Solidarität, echte Freundschaft, Mut und gemeinsames Reagieren im Kampf gegen bösartig handelnde Menschen sind.