Neu im Kino

Ein «geträumtes Abenteuer» an der Grenze Europas

17.09.2026, 07:45

Mit «Das geträumte Abenteuer» gewann Valeska Grisebach den Preis der Jury in Cannes. Jetzt startet der Film, in dem eine Archäologin in ein Umfeld von Korruption und Kriminalität gerät, im Kino.

Von Sabrina Szameitat, dpa

Sie habe sich ihren «blinden Flecken» stellen wollen, wenn sie über Europa spreche. Daher hat es die Berliner Regisseurin Valeska Grisebach für ihren neuen Film «Das geträumte Abenteuer» an die Grenzregion zwischen Bulgarien, Griechenland und der Türkei verschlagen. Für den Film wurde Grisebach mit dem Preis der Jury bei den Filmfestspielen in Cannes ausgezeichnet, jetzt kommt er in die deutschen Kinos (24. September).

Worum es in dem Film geht

Die Filmemacherin («Western») erzählt in «Das geträumte Abenteuer» von der Archäologin Veska (Jana Radewa), die in der bulgarischen Grenzstadt Swilengrad an einer Ausgrabungsstätte arbeitet. Als sie einem alten Bekannten namens Said (Süleyman Alilow Letifow) helfen will, dessen Auto gestohlen wurde, gerät sie zunehmend in ein Umfeld aus Schmuggel, Korruption und Kriminalität. 

Nach Saids plötzlichem Verschwinden wird Veska nicht nur mit mafiösen Strukturen konfrontiert, sondern auch mit ihrer eigenen Vergangenheit. Grisebach verbindet die Handlung mit einer beinahe dokumentarischen Beobachtung des Lebens in der bulgarischen Grenzregion und verleiht dem Film so eine gewisse Authentizität, obwohl die Geschichte fiktional ist.

Dabei rücken Erinnerungen an die Umbrüche der Neunzigerjahre und Machtverhältnisse zwischen den Geschlechtern in den Blick. In fast drei Stunden entfaltet die Regisseurin diese Themen etwa in beiläufigen Gesprächen ihrer Figuren. 

«Das geträumte Abenteuer» bekam viele positive Kritiken. Wie schon in früheren Filmen arbeitet die Regisseurin vielfach mit nicht-professionellen Darstellern. Wer anspruchsvolle Filme mit einem entschleunigten Erzähltempo mag, dürfte großen Gefallen an «Das geträumte Abenteuer» finden. Schon ihren Vorgängerfilm «Western», der 2017 in der renommierten Cannes-Nebenreihe «Un Certain Regard» lief, ließ Griesebach in Bulgarien spielen. 

Die Grenze als wichtiges Motiv

Auf die Frage, was sie an der Grenzregion dort interessiere, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur: «Nachdem ich einen Film in Bulgarien gedreht habe, hatte ich ziemlich schnell das Gefühl, dass ich dort wieder hin möchte und dort noch einen Film drehen will. Vielleicht, weil ich auch bei "Western" schon gemerkt habe, wie viele blinde Flecken ich habe, wenn man über Europa spricht». 

Sie sei in West-Berlin groß geworden und habe gemerkt, dass ihre Reiserichtung immer eine andere gewesen sei und ihr Bild oder ihre Erfahrung in Europa ziemlich einseitig sei. Für «Das geträumte Abenteuer» habe Grisebach das Abenteuer-Genre reflektieren wollen. «Dafür war die Grenze das richtige Setting. Einerseits die konkrete Grenze, an der eben wirklich viel passiert, aber andererseits auch die Grenze als überhöhter, abenteuerlicher Raum mit dieser Fantasie von Schmuggel und Flucht.»