Kino und Streaming
Starke deutsche Präsenz beim Filmfest Toronto
10.09.2026, 13:53
Hollywood liebt solche Geschichten mit starken Persönlichkeiten: Beim Filmfestival in Toronto steht im Eröffnungsfilm eine Frau im Mittelpunkt, die den Kampf für die Rechte von Menschen mit Behinderung entscheidend geprägt hat. Mit der Premiere des Film «Being Heumann» über die US-Behindertenrechtsaktivistin Judy Heumann beginnt am heutigen Donnerstagabend (Ortszeit) das 51. Toronto International Film Festival (TIFF). Es gilt als wichtiges Premieren-Festival nicht nur in Nordamerika, sondern weltweit.
Helen Mirren als Patricia Highsmith, «Rocky» bekommt eine Vorgeschichte
Bis zum 20. September zeigt das Filmfestival 294 internationale Produktionen und bringt dabei erneut große Namen nach Toronto: Helen Mirren spielt in Anton Corbijns «A Talent for Murder» die Schriftstellerin Patricia Highsmith (Kinostart im November). Cynthia Erivo ist in dem Drama «Prima Facie» als Strafverteidigerin zu sehen, die nach einem sexuellen Übergriff selbst mit dem Rechtssystem konfrontiert wird.
Chris Rock stellt seine Regiearbeit, den Film «Misty Green», vor und Peter Farrelly erzählt in «I Play Rocky» vom steinigen Weg Sylvester Stallones zum ersten «Rocky»-Film (Kinostart im November).
Die deutsche Schauspielerin Nina Hoss («Barbara», «Tàr») ist in der US-Produktion «The Julia Set» neben Gillian Anderson («Akte X») und Chase Infiniti («One Battle After Another») zu sehen. Hoss erhielt 2025 den TIFF Tribute Performer Award, der dieses Jahr am letzten Festivaltag an Isabelle Huppert verliehen wird.
Weltpremiere der ARD-Serie zum Anschlag auf Breitscheidplatz
Deutschland ist mit 18 Produktionen und Koproduktionen in Kanada vertreten. Darunter Sandra Wollners deutsch-österreichisches Drama «Everytime»; mit diesem Film gewann sie in Cannes den Preis der Sektion Un Certain Regard und ist für Deutschland im Rennen um den Oscar für den «Besten internationalen Film». Toronto sei die «nordamerikanische Startrampe für die Kampagne», sagt Simone Baumann, Geschäftsführerin von German Films.
Das Historiendrama «Krux» mit Jella Haase und Clemens Schick feiert ebenso Weltpremiere, «Frauenpower» verspricht Baumann zudem mit Filmen von Valeska Grisebach und Angela Schanelec.
Mit Spannung erwartet wird die Weltpremiere der ARD-Serie «Breitscheidplatz 19/12» (internationaler Titel «Blindspot Berlin») von David Nawrath. In der sechsteiligen Reihe, die ab 30. Oktober in der ARD-Mediathek verfügbar ist sowie ab 1. November im Ersten ausgestrahlt wird, geht es um die Ermittlungen zum späteren Täter vor dem Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt 2016, der als einer der größten Terroranschläge in der deutschen Geschichte gilt.
Verleihung der Studenten-Oscars beim TIFF
«Für den deutschen Film ist zudem die Verleihung der Student Academy Awards am 14. September ein Highlight», sagt Baumann. Matthias Strassers Animationsfilm «The Panic Inside» ist unter den letzten drei Preisanwärtern. Die Gewinner der Studenten-Oscars werden in diesem Jahr erstmals in Toronto verkündet.
«Toronto ist auf vielen Ebenen ein entscheidendes Schaufenster», erklärt Baumann. Gespannt schaue man auch darauf, ob sich das erstmals veranstaltete «TIFF: The Market» durchsetzen könne, «vor allem im direkten Vergleich mit dem "American Film Market" im November». Toronto will laut TIFF-Leiter Bailey mit dem neuen Format «als Handelsplatz der internationalen Branche stärker mitmischen».
In Toronto kürt das Publikum den Gewinnerfilm
Bei aller Branchenpolitik hinter den Kulissen haben beim TIFF aber weiterhin die Zuschauer das letzte Wort. Denn anders als bei vielen großen Festivals wird der wichtigste Preis, der People's Choice Award, vom Publikum gewählt und bei einer Preisverleihung am 20. September bekanntgegeben.