Pisa-Ergebnisse
Merz verlangt «große Kraftanstrengung» für bessere Bildung
9.09.2026, 14:57
Wegen der schlechten Pisa-Ergebnisse fordert Bundeskanzler Friedrich Merz eine «große Kraftanstrengung» für bessere Bildung in Deutschland. «Die Ergebnisse, die wir dort gesehen haben, sind ernüchternd», sagte der CDU-Politiker (Christdemokraten) im Bundestag. «Ich will den Ländern in Deutschland ausdrücklich anbieten, dass wir noch einmal gemeinsam zu einer großen Kraftanstrengung finden, um die Situation der Bildung in Deutschland zu verbessern.»
Zugleich betonte er, man könne Bildung und Erziehung nicht an den Staat «outsourcen». Auch die Familien hätten eine Verantwortung. «Wenn wir das gemeinsam wahrnehmen, dann können wir das Problem lösen», sagte Merz. «Ich biete es den Ländern ausdrücklich an und sage es auch für die Bundesregierung: Ja, wir wissen, dies ist eine der zentralen Aufgaben unseres Landes, dafür zu sorgen, dass Kinder und Jugendliche eine Chance haben.»
Pisa-Ergebnisse so schwach wie nie
In der jüngsten Ausgabe der internationalen Vergleichsstudie Pisa hatten die Schülerinnen und Schüler in Deutschland 2025 so schwach abgeschnitten wie nie zuvor. Getestet wurden rund 6.700 15-Jährige vor allem auf Kompetenzen in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften. Der Studie zufolge fehlt jedem dritten Jugendlichen grundlegende Kompetenz in Lesen und Mathematik, jedem vierten in Naturwissenschaften. Gut jeder Fünfte habe in keinem der drei Felder «ausreichende Basiskompetenzen», hieß es weiter.
Die Studie entfacht eine neue Debatte über weitere mögliche Bildungsreformen. Sowohl Bundesbildungsministerin Karin Prien als auch die Präsidentin der Bildungsministerkonferenz, Anna Stolz aus Bayern, verwiesen aber auf bereits begonnene Veränderungen: mehr Geld für Schulen in sozialen Brennpunkten über das Startchancen-Programm von Bund und Ländern, frühe Sprachtests und Sprachförderung mit Hilfe eines neuen Kita-Gesetzes und verbesserte Unterrichtskonzepte.
Elternrat: Ins Handeln kommen
Der Bundeselternrat betonte, Pisa habe keine neuen Erkenntnisse gebracht - die Schwächen seien längst bekannt. «Es kann nicht die Antwort auf sinkende Kompetenzen sein, noch eine Studie zu veröffentlichen und anschließend die nächste Arbeitsgruppe einzusetzen», erklärte der Bundeselternrat. «Wenn seit 25 Jahren bekannt ist, dass Kinder beim Lesen, Schreiben, Rechnen und in den Naturwissenschaften Unterstützung brauchen, muss die entscheidende Frage lauten: "Was benötigen wir, um schneller und wirksamer ins Handeln zu kommen?"»
Der Rat unterstützt die Ansätze von früher Sprachförderung, Sicherung von Basiskompetenzen und gezielter Unterstützung benachteiligter Schulen. Nötig seien ausreichend Personal und verlässliche Rahmenbedingungen. All dies werde «seit Jahren gefordert und jedoch nur mangelhaft umgesetzt», erklärte die Elternvertretung.
Schülerkonferenz beklagt Druck
Die Schülerinnen und Schüler fordern andere Lösungskonzepte. «Jetzt ein weiteres Mal den Fokus auf die Stärkung der Basiskompetenzen zu legen, wird uns langfristig nicht weiterhelfen», erklärte die Bundesschülerkonferenz. «Das Grundproblem liegt an anderer Stelle: Wer sich nicht wohlfühlen und nicht partizipieren kann, kann auch nicht lernen.»
Die Schülervertretung verwies auf Stress durch Faktoren wie Leistungsdruck, Mobbing und soziale Medien. Genau hier werde nicht angesetzt. «Kinder und Jugendliche müssen sich sicher im digitalen Raum bewegen», erklärte die Schülerkonferenz. Der Nachholbedarf an Schulen bei Grundlagen betreffe die digitale Ausstattung und Medienkompetenz.