Gesundheit
Mpox weitet sich in Berlin auf weitere Personengruppen aus
27.08.2026, 14:41
Die Krankheit Mpox wird in Berlin zunehmend auch bei Sex zwischen Männern und Frauen übertragen. Dem Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) wurden zuletzt einige Fälle im Umfeld von sexpositiven Veranstaltungen für heterosexuelle und queere Menschen gemeldet, wie es im aktuellen Wochenbericht des Lageso heißt.
Im August seien dem Lageso bislang zwei Frauen mit Mpox gemeldet worden. Im gleichen Zeitraum infizierte sich den Angaben der Behörde auch ein Mann, der angab, sich möglicherweise beim Sex mit einer Frau angesteckt zu haben. Alle drei hätten sich vermutlich bei anonymen sexuellen Kontakten in Clubs oder zu Hause angesteckt.
Deutlich mehr Fälle als in manchen Vorjahren
Insgesamt wurden dem Lageso in diesem Jahr bislang vier Mpox-Infektionen bei Frauen gemeldet. Eigentlich infizieren sich vor allem Männer, die Sex mit Männern haben und häufig den Sexualpartner wechseln.
Die Gesamtzahl der in Berlin gemeldeten Mpox-Fälle liegt in diesem Jahr bei bislang 156. Das sind mehr als im Vorjahreszeitraum (144) und deutlich mehr als im gesamten Jahr 2024 (38) oder 2023 (13).
In ganz Deutschland wurden laut RKI in diesem Jahr bisher 375 Mpox-Fälle gemeldet (Stand 27.8.). 98 Prozent davon waren Männer, wie der Epidemiologe Klaus Jansen vom RKI der dpa mitteilte. Die Männer, bei denen der Infektionsweg bekannt sei, hätten sich fast ausschließlich beim Sex mit Männern angesteckt. «Deutschlandweit sehen wir aktuell keine Entwicklung wie die durch das Lageso für Berlin beschriebene Situation.» Es bleibe abzuwarten, wie sich die Situation weiter entwickle.
«Es macht uns große Sorge»
Die Infektionsepidemiologin Claudia Ruscher vom Lageso sagte: «Es macht uns große Sorge, dass Mpox in einen anderen Bereich von Personen vordringt, der bisher nicht betroffen schien und deshalb wenig geimpft und wenig informiert ist.»
Vier Frauen erschienen zunächst wenig, es stecke aber eine neue Dynamik darin. Die Infektionen seien innerhalb kurzer Zeit aufgetreten. In den vergangenen Jahren habe sich entweder gar keine oder nur eine Frau pro Jahr infiziert. Nur während des großen Ausbruchs im Jahr 2022 gab es insgesamt vier Fälle bei Frauen. Hier sei aber die Gesamtfallzahl im Ausbruch rund zehnmal höher als aktuell gewesen.
Welche Risiken gibt es? Menschen, die nicht geimpft seien und sich erstmals mit Mpox infizierten, hätten eher einen schwereren Krankheitsverlauf. «Sie haben häufiger eine fieberhafte Erkrankung und oft Hautläsionen am ganzen Körper», erklärte Ruscher. «Es sind nicht nur Bläschen, sondern juckende, zum Teil auch eitrige Pusteln. Die sind wirklich sehr schmerzhaft.»
Mpox wird bei engem Körperkontakt übertragen
Mpox ist eine Viruserkrankung und wird durch engen Körperkontakt übertragen, vor allem beim Sex. Ansteckungsgefahr besteht vor allem dann, wenn man in Kontakt mit den typischen Hautveränderungen (Bläschen oder Schorf) von Mpox-Infizierten kommt, die am ganzen Körper auftreten können. Kondome bieten daher keinen ausreichenden Schutz. Auch eine Tröpfcheninfektion ist möglich, also durch Speichel. Es gibt eine Impfung.
Im Jahr 2022 verbreitete sich die Krankheit besonders stark in Deutschland. Betroffen waren vor allem Männer, die Sex mit Männern und häufig wechselnde Sexualpartner haben. Für diese Gruppe gab es daraufhin eine gezielte Impfkampagne, die Impfbereitschaft war hoch.
Rasierpickel? Mückenstich? Herpes?
Andere Personengruppen hingegen wüssten oft noch nicht einmal, dass es Mpox gebe, sagte Ruscher. Wenn sie sich infizierten und die Pusteln aufträten, brächten sie das erst mal nicht mit Mpox in Verbindung. «Sondern sie denken, sie haben vielleicht Rasierpickel, Mückenstiche oder Herpes und gehen vielleicht nicht sofort zum Arzt.» Ein Patient sei zu vier verschiedenen Ärzten gegangen, bis er die richtige Diagnose erhalten habe.
Wie schätzt die Wissenschaftlerin die weitere Entwicklung ein? «Man muss mit weiteren Infektionen bei Frauen rechnen, aber es ist schwer, eine genaue Größenordnung zu nennen.»
Die Ständige Impfkommission empfiehlt die Mpox-Impfung unter anderem Männern, Transpersonen sowie nicht-binären Personen, die Sex mit Männern haben und dabei häufig die Partner wechseln, Sexarbeiterinnen und Sexarbeitern sowie Menschen, die Kontakt zu Infizierten haben. Die Impfung sei sehr effektiv und gut verträglich, so Jansen vom RKI. Wer sich trotz Impfung infiziere, habe meist einen deutlich leichteren Krankheitsverlauf.