Berliner Volksbühne

Schwimm-Event für Schwarze Menschen abgesagt

14.08.2026, 13:05

Das temporäre Schwimmbecken vor dem Theater Volksbühne in Berlin war für einige Stunden exklusiv für einen Verein der Schwarzen Community reserviert. Das wurde wegen Sicherheitsbedenken abgeblasen.

Linke und Grüne in Berlin haben die Absage einer geplanten Veranstaltung der Volksbühne mit dem Verein der Schwarzen Community aus Sicherheitsgründen als «unerträglich» bezeichnet. «Dass die Absage wegen Sicherheitsbedenken erfolgen musste und das gemeinsame Schwimmen für schwarze Kinder und Jugendliche im Volksbad nun ausfällt, zeigt, wie sehr Hass und Hetze um sich greifen», sagte Linke-Spitzenkandidatin Elif Eralp der Deutschen Presse-Agentur. Grünen-Spitzenkandidat Werner Graf sprach von einem «Skandal».

Nach teils rassistischen Diskussionen und Drohungen hatten die Berliner Volksbühne und der Verein «Each One Teach One» (Eoto) die für heute geplante Veranstaltung abgesagt, bei der exklusiv für Menschen der Schwarzen Community Schwimmen angeboten werden sollte.

Sicherheit kann nicht garantiert werden

Man könne eine sichere An- und Abreise der angemeldeten Besucher ebenso wenig garantieren wie einen entspannten Feriennachmittag, hieß es. Eoto ist im Bereich der Rassismusprävention tätig und setzt sich für das Empowerment (Deutsch: Selbstbefähigung) Schwarzer Menschen ein. Der Verein ist einer der Träger des Black Communities Center in Berlin-Wedding, das dieses Jahr eröffnet wurde.

Der Verein habe das Bad regulär für seine Mitglieder gemietet, erklärte Linke-Politikerin Eralp. «Das Volksbad ermöglicht damit Zugänge für Menschen, die oft von Ausschlüssen und Rassismus betroffen sind. Das als eine Form von Diskriminierung zu bezeichnen, lässt tief blicken.»

Theaterchef verteidigte Veranstaltung 

Seit dem 7. August 2026 und noch bis Anfang Oktober steht vor dem Theater ein 25 Meter langes und 1,30 Meter tiefes Freibad, das sogenannte Volksbad. Der Eintritt ist kostenlos. An einigen Tagen allerdings ist das Schwimmbecken für bestimmte Vereine reserviert. Dabei will die Volksbühne auch bleiben: «Wir werden selbstverständlich weiterhin positive Maßnahmen für strukturell benachteiligte Menschen anbieten», teilte der Intendant der Berliner Volksbühne, Matthias Lilienthal, mit.

Nach Meinung einer Expertin ist die abgesagte Veranstaltung der schwarzen Community bewusst umgedeutet und missverstanden worden. «So war das ein Segen für die Rechten», sagt Emilia Zenzile Roig. Sie ist Autorin und Politologin aus Frankreich und eine schwarze Person, die in Berlin lebt. Was bei vielen Menschen ankam, sei gewesen: Es sei so heiß und wir Weißen dürften nicht ins Schwimmbad. «Das Narrativ dahinter mit einem angeblichen anti-weißen Rassismus hat funktioniert.»

«Es ging um nur einen Nachmittag ohne Angst vor Demütigung»

Es gebe einen nachvollziehbaren Anlass für die Idee des Vereins, schwarze Kinder und Jugendliche unter sich baden zu lassen, meint Roig. «Rassismus ist für Schwarze allgegenwärtig, in der Schule, auf dem Arbeitsmarkt, im Justizsystem, auf der Straße, durch die Polizei.» Viele Räume seien unsicher. «Im Schwimmbad werden sie zum Beispiel beschimpft, sie würden das Wasser dreckig machen. Auch in Berlin.» 

Es gehe natürlich nicht um eine komplett abgeschottete Gesellschaft, betont die Politologin. «Es ging um nur einen Nachmittag ohne Angst vor Demütigung und rassistischer Gewalt. Vor allem für die Kinder wäre das gut gewesen.» 

Das Narrativ, dass weiße Menschen strukturell diskriminiert würden, sei nun in der Welt und lasse sich nicht so leicht rückgängig machen, ist Roig überzeugt. «Wir haben mit einer Umdeutung der Realität zu tun, die mir Sorgen macht.»