Europameisterschaft
Deutsche Hindernis-Läuferin Gesa Krause genießt Gold
14.08.2026, 09:28
Barfuß und komplett gelöst genoss Gesa Krause in Birmingham den Moment und mochte nicht an die Zukunft denken. Mit dem dritten Europameister-Titel hatte sich die 34 Jahre alte Mama nach einem denkwürdigen Rennen über 3.000 Meter Hindernis gerade ihren Traum erfüllt.
«Ich bin schon so viele Jahre dabei, und ich weiß auch, dass diese Momente immer rarer werden. Deswegen bin ich einfach sehr, sehr stolz auf den heutigen Tag», sagte Krause, als sich so langsam die Nacht über das Alexander Stadium legte. Neben ihr strahlte Olivia Gürth fortwährend aus tiefstem Herzen über ihre Bronzemedaille.
Meyer erst aufgebracht, dann selbstkritisch
Mit ein wenig Abstand verrauchte bei der tief enttäuschten Lea Meyer der Zorn darüber, durch den Sturz am letzten Wassergraben eine große Chance verpasst zu haben. «Gesa ist verdient Europameisterin geworden!!! Sie hat die beste Taktik und ihre Stärken ausgespielt», schrieb Meyer bei Instagram und suchte die Fehler nur bei sich selbst.
Schon bei der WM 2022 hatte sie schmerzhafte Bekanntschaft mit dem Wassergraben gemacht. Den heftigen Aufprall in Birmingham überstand sie ohne sichtbare Anzeichen größerer Blessuren.
In der Hitze des Moments hatte sich Meyer kurz nach dem Zieleinlauf im TV-Interview noch darüber beschwert, dass sie die Führungsarbeit weitgehend allein habe machen müssen. «Gesa will einfach keinen Meter was machen. Die sitzt es aus und rennt da hinten raus», sagte die EM-Zweite von München 2022, die am Ende eine sicher geglaubte Medaille aus der Hand gab und trotz des Sturzes noch Vierte wurde.
Doch schon wenig später würdigte Meyer Siegerin Krause und die diesmal zweitplatzierte französische Titelverteidigerin Alice Finot als die besten Meisterschaftsläuferinnen. Krause tat Meyers Missgeschick «unfassbar leid». Den Sturz bekam sie nach eigenen Worten erst im Ziel mit. Sie selbst sei einfach nicht der Frontläufer und gebe lieber auf dem letzten Kilometer oder der letzten Runde Gas - so wie auch diesmal.
Enten füttern als Ruhemoment
«Hier nach acht Jahren wieder ganz oben auf dem Podium stehen zu dürfen, ist schon sehr, sehr besonders», sagte Krause. Vor zehn Jahren im Amsterdam war ihr das bei einer EM erstmals gelungen, zwei Jahre später in Berlin folgte Gold bei einer Heim-Europameisterschaft. Bereits vor 14 Jahren holte Krause in Helsinki Bronze, vor zwei Jahren in Rom gab es Silber, damals schon als Mutter.
Misserfolg beim Marathon hilft auf der Bahn weiter
Als kleinen Kontrollfreak sieht sich Krause selbst, auch am Donnerstagabend hatte sie alles im Griff und gewann nach 9:12,69 Minuten. Die erfahrene Läuferin aus Trier war dank ihres riesigen Erfahrungsschatzes nach eigenen Worten für alle Szenarien gewappnet, rechnete aber damit, dass auch diesmal die Entscheidung erst auf dem letzten Kilometer fallen würde.
Kurioserweise bezog Krause die Kraft für ihren Erfolg nach einem unwiderstehlichen Schlussspurt auch aus einer Enttäuschung. Beim Marathon in Valencia musste sie Ende vorigen Jahres nach 34 Kilometern aufgeben. Das wurmte Krause, doch das Training für die 42,195 Kilometer erwies sich später als wertvolle Basis für die Bahn-Saison.
Krause denkt nicht an morgen, Meyer an den Rekord
Wie es auf dem 400 Meter langen Oval weitergeht, beschäftigte Krause - anders als früher - erst einmal nicht. «Ganz ehrlich: Heute bin ich einfach im Hier und Jetzt und stolz auf diesen EM-Titel.» Natürlich liebäugelt sie mit der WM 2027 in Peking und den Olympischen Spielen 2028 in Los Angeles.
«So schnell kriegt man mich nicht von der Bahn, aber heute ist ein goldener Tag. Den möchte ich gebührend feiern und alles aufsaugen und erst danach meinen Blick auf neue Ziele werfen», sagte Krause, die schon zweimal WM-Bronze holte, aber noch keine Olympia-Medaille.
Doch nicht nur die Konkurrenz außerhalb Europas, sondern auch die im eigenen Land ist stark. Meyer hat sich ein klares Ziel gesetzt, das sie bis 2028 erfüllen möchte: «Spätestens in LA stehe ich als deutsche Rekordhalterin da.» Der gehört mit 9:03,30 Minuten noch Gesa Krause, gelaufen bei der WM 2019 in Doha.