Industrie

Deutscher Konzern Thyssenkrupp: Stahlsparte mit Gewinnsprung

13.08.2026, 12:51

Thyssenkrupp Steel will mit harten Einschnitten und hohen Investitionen sein Geschäft neu aufstellen. Gleichzeitig soll die Sparte kapitalmarktfähig werden. Operativ lief es zuletzt nicht schlecht.

Der Industriekonzern Thyssenkrupp treibt den begonnenen Konzernumbau auch bei seiner Stahlsparte voran. Bei der Vorlage der Neunmonatszahlen bekräftigte das Unternehmen seine Pläne, die Sparte eigenständig aufzustellen. «Die Verselbstständigung von Thyssenkrupp Steel Europe mit einer eventuellen Minderheitsbeteiligung der Thyssenkrupp AG bleibt das erklärte strategische Ziel», hieß es.

Stahlsparte plant Kapitalmarkttag im September

Für Ende September plane Thyssenkrupp Steel Europe einen Kapitalmarkttag, kündigte die Konzernmutter an. Ziel sei es, Investoren und Analysten einen transparenten Einblick in die wirtschaftliche Entwicklung und den Fortschritt der strategischen Neuausrichtung zu geben.

Die Sparte, zu der zahlreiche Einzelunternehmen zählen, ist Deutschlands größter Stahlhersteller. Es läuft ein harter Sanierungskurs, der unter anderem den Abbau und die Auslagerung Tausender Stellen vorsieht. Zuletzt hatte sich das Unternehmen von seiner 50-Prozent-Beteiligung am Duisburger Stahlerzeuger HKM getrennt.

Thyssenkrupp ist in fünf Segmenten tätig, die schrittweise verselbstständigt werden sollen: Marineschiffbau (TKMS), Werkstoffe (TK Accelis), Stahl, Autoteile und grüne Technologien. Die Thyssenkrupp AG wird dabei in eine Finanzholding umgebaut. Grundsätzlich soll die AG Mehrheitsbeteiligungen an den verselbstständigten Unternehmen halten. 

In der Stahlsparte hält das Unternehmen auch eine Minderheitsbeteiligung für möglich. Die Marinesparte TKMS brachte Thyssenkrupp bereits im vergangenen Herbst an die Börse. TK Accelis soll in diesem Herbst folgen.

Operativer Gewinn der Stahlsparte: 373 Millionen Euro

Im Quartalsbericht äußerte sich Thyssenkrupp zufrieden mit der operativen Geschäftsentwicklung der Stahlsparte in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2025/26, das am 30. September endet. Der bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern sei trotz niedrigerer Umsätze deutlich gestiegen auf 373 Millionen Euro bis Ende Juni (Vorjahr: 177 Millionen Euro).

«Wesentliche Treiber waren der konsequente Einstellungsstopp, das Restrukturierungsprogramm, Effizienzgewinne in Produktion und Logistik sowie Vorteile bei den Rohstoffkosten», nannte das Unternehmen als Gründe. Die aus dieser Zahl herausgerechneten Restrukturierungskosten bezifferte das Unternehmen auf 385 Millionen Euro. Ende Juni beschäftigte die Sparte rund 25.080 Menschen, knapp 860 weniger als ein Jahr zuvor.

Bau von neuer Stahl-Erzeugungsanlage schreitet voran

Parallel zur Neuaufstellung der Sparte baut das Unternehmen eine neue Anlage zur Stahlerzeugung, die deutlich weniger Kohlendioxid ausstoßen soll. Die sogenannte Direktreduktionsanlage kostet rund drei Milliarden Euro und soll einen Hochofen ersetzen. Bund und Land Nordrhein-Westfalen fördern den Bau mit bis zu zwei Milliarden Euro. Die Anlage soll zunächst mit Erdgas und später mit Wasserstoff betrieben werden. Man treibe den Bau der Anlage unverändert voran, sagte Konzern-Finanzvorstand Axel Hamann. Einen genauen Zeitpunkt für die Inbetriebnahme könne man aber noch nicht nennen.

Konzernweit stieg der bereinigte operative Gewinn vor Zinsen und Steuern in den ersten neun Monaten um 62 Prozent auf 591 Millionen Euro. Unter dem Strich stand vor allem wegen der Restrukturierungskosten der Stahlsparte ein Minus von 311 Millionen Euro (Vorjahreszeitraum: minus 121 Millionen Euro). Der Umsatz im ersten Dreivierteljahr lag bei knapp 24,4 Milliarden Euro. Insgesamt arbeiteten Ende Juni knapp 90.000 Menschen für Thyssenkrupp, gut 4.000 weniger als ein Jahr zuvor.