Kulturprojekt

Durchsichtige Mauer am Brandenburger Tor in Berlin

12.08.2026, 14:20

Eine neue Installation am Brandenburger Tor in Berlin lädt dazu ein, über Grenzen und Trennendes nachzudenken – 65 Jahre nach dem Mauerbau. Was es damit auf sich hat.

Undurchdringlich und durchlässig zugleich: Vor dem Brandenburger Tor in Berlin erinnert eine große Kunstinstallation an den Mauerbau vor 65 Jahren und die folgende jahrzehntelange Teilung der Stadt. Auf der Westseite des Wahrzeichens, wo einst die Grenze verlief, ähnelt die 30 Meter lange und etwa drei Meter hohe Metallkonstruktion auf den ersten Blick der einstigen nahezu unüberwindlichen Mauer. 

Je nach Standpunkt können Betrachter jedoch durchschauen, die andere Seite teils klar und teils verschwommen sehen und so quasi Trennendes überwinden. Möglich macht das eine feine, an Bienenwaben erinnernde Struktur aus Aluminium, wie der Künstler Hubertus Hamm mitteilte.

Die landeseigene Berliner Kulturprojekte GmbH will mit dem Kunstwerk einerseits die Monstrosität der Mauer zeigen, aber auch daran erinnern, dass diese die Stadt letztlich nicht dauerhaft spalten konnte. Es soll Besucher auch dazu anregen, über Verbindendes und Trennendes, über Mauern und Grenzen in der heutigen Zeit nachzudenken, so die Veranstalter. 

Open-Air-Ausstellung 

Neben der Installation können sich Besucher am Brandenburger Tor eine Open-Air-Ausstellung mit historischen Fotografien ansehen. Die Schau «Mauerblicke. Berlin 1961-1990» dokumentiert den Alltag in der geteilten Stadt. Ergänzend sind vor Ort bis Sonntag Führungen und Konzerte geplant. Zudem werden Auszüge aus Biografien von Todesopfern der Mauer vorgelesen. Am Samstag ist die Installation wegen der Technoparade Rave Planet nicht zugänglich.

«Schreckliche Zäsur»

«Der Mauerbau am 13. August 1961 war eine schreckliche Zäsur für unsere Stadt, für unser Land, im Ergebnis für Europa, für die Welt», sagte Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) bei der Eröffnung der Installation. Die Grenze sei mit Minenfeldern, Hunden und Selbstschussanlagen eine Todeszone gewesen. DDR-Grenzer hätten Menschen ermordet, nur weil diese von einem Berliner Stadtteil in einen anderen wollten. Es sei wichtig, daran zu erinnern, gerade in einer Zeit, in der das SED-Regime und die DDR-Zeit teils verharmlost würden.

Kulturstaatsminister Wolfram Weimer äußerte sich ähnlich: «Wir erleben im Moment in Deutschland eine Verharmlosung der DDR aus politischen Motiven von links außen und rechts außen, manchmal aus Bequemlichkeitsmotiven», sagte er. «Und gerade deswegen ist es wichtig, dass wir dem Übel auch ins Auge schauen, es benennen und es sichtbar machen.» An der Mauer seien 140 Menschen getötet worden, sie sei Teil eines Unterdrückungsregimes gewesen.

Mauer teilte Berlin mehr als 28 Jahre lang

Der Bau der Berliner Mauer besiegelte im August 1961 die deutsch-deutsche Teilung. Die SED-Führung wollte so die massenhafte Abwanderung von Menschen in den Westen Berlins und in die Bundesrepublik stoppen. Das rund 155 Kilometer lange Bollwerk zerschnitt Berlin mehr als 28 Jahre lang, ehe es am 9. November 1989 im Zug der friedlichen Revolution in der DDR fiel.