Auszeichnungen

Viele Filmschaffende aus Deutschland in Locarno am Start

1.08.2026, 10:06

Beim 79. Filmfestival Locarno sind zahlreiche deutsche Filme und von deutschen Produzenten mitfinanzierte Produktionen zu sehen. Die Preischancen sind recht hoch.

Von Peter Claus, dpa

Locarno lockt wieder Tausende Fans anspruchsvoller Filmkunst aus aller Welt ans malerische Ufer des Lago Maggiore: Vom 5. bis 15. August lädt das 79. Internationale Filmfestival in den bekannten Schweizer Urlaubsort. Deutsche Filmkünstler und Produzenten sind im Hauptwettbewerb um den Goldenen Leopard und in den anderen Sektionen, Reihen und Wettbewerben kraftvoll vertreten. Gut möglich, dass sich die in den letzten Jahren zu beobachtende Erfolgsserie des heimischen Kinos fortsetzt.

Fünf deutsche Filme und Koproduktionen im Wettbewerb

Im Vorjahr holte die österreichisch-deutsche Koproduktion «White Snail» eine der wichtigsten Auszeichnungen des Filmfestivals, den Spezialpreis der Jury, die bedeutendste Ehrung neben dem Goldenen Leopard. Der ging zuletzt vor drei Jahren zumindest zu einem Teil nach Deutschland, an die deutsch-iranische Produktion «Critical Zone». Auch in diesem Jahr sind die Chancen auf eine Auszeichnung gut. Denn immerhin fünf deutsche oder mit deutschem Engagement entstandene Koproduktionen laufen im insgesamt 17 Filme zeigenden internationalen Wettbewerb, dem «Concorso Internazionale».

Auch in anderen Sektionen, Reihen und Wettbewerben ist das deutsche Kino zahlenmäßig kraftvoll vertreten, so in dem ausschließlich Nachwuchstalenten vorbehaltenen Wettbewerb «Cineasti del Presente» («Filmemacher der Gegenwart»). Hier konkurrieren 15 Filme aus aller Welt, drei davon kommen aus Deutschland oder wurden mit deutscher Beteiligung realisiert. Nahezu ein Zehntel aller in diesem Jahr auf dem neben Berlin, Cannes und Venedig wichtigsten europäischen Filmfestival laufenden Beiträge, 20 von 233, stammt aus Deutschland oder ist mit Hilfe deutscher Filmschaffender entstanden.

Diese Filme könnten einen Preis bekommen

Hoffen auf eine Ehrung kann beispielsweise die Regisseurin Ann Oren («Piaffe»). Sie zeigt ihren zweiten Spielfilm «Objet a». Das mit Aenne Schwarz und Louis Hofmann in den Hauptrollen prominent besetzte Drama reflektiert Freiheiten und Grenzen von Paarbeziehungen in der heutigen bürgerlichen Gesellschaft. Mit besonderer Spannung erwartet wird die deutsch-ukrainische Koproduktion «I Rarely Wake Up Dreaming» der Regisseurin Isabelle Stever. Ausgehend von einer Lovestory erzählt sie von den Schrecken des Krieges in der Ukraine. Beide Filme sind typisch für das Festival, das besonders formal ungewöhnliche, dabei politisch ambitionierte Filme fördert.

Dem dürften auch viele Beiträge im Wettbewerb «Cineasti del Presente» («Filmemacher der Gegenwart») entsprechen. Aus Deutschland dabei ist zum Beispiel Nicolaas Schmidt mit «September Afternoon». Der Regisseur setzt in seinem Gesellschaftsporträt stilistisch auf große Experimentierfreude. Ungewöhnlich ist zudem «Morgen vor langer Zeit». Regisseurin Luise Donschen erzählt die Geschichte einer Frau aus der DDR, die den Problemen der Wende und der Wiedervereinigung auf höchst ungewöhnliche Weise entgegnet.

Fast 8000 Film-Einreichungen

Das Festival in Locarno gilt als international wichtigste Tribüne für künstlerisch anspruchsvolles, gedankenreiches Kino. Die in diesem Jahr rekordverdächtige Zahl von fast 8000 Film-Einreichungen zeigt die Bedeutung für die Branche. Auch der Publikumszuspruch ist enorm. Tausende, vor allem junge Leute kommen, campieren teilweise abenteuerlich in Pensionen, bei Familien oder in Zelten.

Damit dürfte Locarno auch in diesem Jahr beweisen, dass ein Festival nicht unbedingt auf viele Promi-Paraden mit Blitzlichtgewitter setzen muss. Wie seit Jahrzehnten gilt das Motto «Hier sind die Filme die Stars!». Einige Berühmtheiten werden allerdings erwartet. So sollen etwa Schauspiel-Ikone Isabella Rossellini («Konklave») und Regie-Legende Darren Aronofsky («The Whale») mit Sonderpreisen geehrt werden.

Besonderer Magnet sind die abendlichen Freiluft-Aufführungen von Filmen außerhalb aller Wettbewerbe auf dem Marktplatz des Ortes für bis zu 9000 Besucher. Hier zeigt in diesem Jahr der deutsche Regisseur Felix Randau («Der Mann aus dem Eis») seinen neuen Spielfilm «Ich ist ein anderer», ein Historiendrama über die Schrecken des deutschen Faschismus und deren Folgen. Auch er hat Aussicht auf eine Auszeichnung, den begehrten Publikumspreis. Dieser und die anderen Ehrungen sollen am 15. August unter dem Sternenzelt verliehen werden.