Krise in der Autoindustrie
Porsche streicht weitere 5.000 Stellen
27.07.2026, 14:36
Der deutsche Sport- und Geländewagenbauer Porsche streicht bis 2035 weitere 5.000 Stellen in der Region Stuttgart. Betroffen sind das Stammwerk in Stuttgart-Zuffenhausen und das Entwicklungszentrum in nahen Weissach. Im Gegenzug wird die Standortsicherung um fünf Jahre bis Ende 2035 verlängert. Betriebsbedingte Kündigungen sind in dieser Zeit ausgeschlossen, wie das Unternehmen und der Gesamtbetriebsrat mitteilten.
Der Stellenabbau soll den Angaben nach sozialverträglich erfolgen - vor allem über natürliche Fluktuation, demografische Effekte, Altersteilzeit und freiwillige Aufhebungsverträge. An den Verhandlungen waren auch die IG Metall und der Arbeitgeberverband Südwestmetall beteiligt. Ziel sei, die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken und dabei langfristig möglichst viele Arbeitsplätze abzusichern.
Milliardeninvestition in der Porsche-Heimat
Das sogenannte Zukunftspaket sieht deshalb auch Investitionen von insgesamt 2,1 Milliarden Euro vor. Damit soll unter anderem sichergestellt werden, dass die zweitürigen Sportwagen weiterhin in Zuffenhausen vom Band rollen und die Entwicklungsarbeit in Weissach gebündelt bleibt. Finanziert wird das demnach durch ein umfassendes Maßnahmenpaket. «Es soll die Personalkosten deutlich senken und die Arbeit an den Standorten flexibler und produktiver machen.»
Konkret bedeutet das unter anderem: Tariferhöhungen werden bis 2035 zum Teil einbehalten, das Weihnachtsgeld sinkt und der Mitarbeiterbonus orientiert sich stärker am Unternehmenserfolg. Große Teile des Managements verzichten 2027 und 2028 auf Erhöhungen der Grundvergütung. Homeoffice soll zudem künftig nur noch an maximal acht statt zwölf Tagen im Monat möglich sein.
Der seit Jahresbeginn amtierende Vorstandschef Michael Leiters bezeichnete das Paket als «gut für Porsche». Es ermögliche, das Unternehmen strategisch neu auszurichten. Jetzt gelte es, gemeinsam zu liefern. Klar sei: «Nur wenn wir unsere Ziele erreichen und wirtschaftlich erfolgreich sind, können wir unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auch die nötige Sicherheit geben».
Für Gesamtbetriebsratschef Ibrahim Aslan hat das Paket Signalwirkung: Man habe den Arbeitgeber überzeugen können, dass eine Investition an den zwei Standorten eine Chance seien. Dass dafür hätten Kompromisse geschlossen werden müssen, sei Teil von Verhandlungen. «Das Paket ist hart erkämpft. Jetzt müssen wir es gemeinsam mit dem Vorstand umsetzen», teilte Aslan mit.
Sparrunde folgt auf Sparrunde
Das nun beschlossene Zukunftspaket ist bereits die zweite große Sparrunde. Im Februar 2025 hatten sich Management und Betriebsrat auf den Abbau von rund 1.900 Stellen in der Region Stuttgart bis 2029 verständigt. Zusätzlich liefen die befristeten Arbeitsverträge von etwa 2.000 Mitarbeitern aus. Aber nicht nur am Stammsitz wurde zuletzt gespart: Im Leipziger Werk hat Porsche ebenfalls Jobs abgebaut, auch drei Tochterfirmen mit zusammen rund 500 Beschäftigten wurden oder werden noch geschlossen.
In Summe streicht der Sportwagenbauer in den kommenden Jahren mehr als jede dritte Stelle in seiner Heimat. Ende 2024 hatte Porsche in der Region Stuttgart rund 22.200 Beschäftigte, ein Jahr später waren es noch ungefähr 20.600. Weltweit beschäftigte der Konzern Ende 2025 fast 41.800 Menschen. Leiters hatte bereits angekündigt, Porsche deutlich verschlanken zu wollen. Die Verhandlungen mit dem Betriebsrat liefen seit vergangenem Herbst - wegen des Wechselns an der Unternehmensspitze aber mit Unterbrechungen.