Fußball-Nationalmannschaft

Klopps Knallstart: Bundestrainer warnt und träumt

24.07.2026, 11:54

Das war gleich ein Auftritt der Marke Klopp. Mit Wortgewalt und klaren Ansagen macht der 59-Jährige deutlich, wie er seine neue Aufgabe als Bundestrainer angehen will. Kompromisse gibt es keine.

Von Klaus Bergmann und Arne Richter, dpa

Mit einer knallharten Warnung und einer kollektiven Forderung zu Veränderung ist Jürgen Klopp in seine Aufgabe als Bundestrainer gestartet. «Wer Jürgen holt, kriegt ihn», postulierte der 59-Jährige. Das war die Quintessenz eines für ihn typischen Auftritts auf dem Podium in der DFB-Zentrale in Frankfurt mit einem Wortschwall gleich zum Start, der ihn selbst überraschte.

«Ich bin mutig, und ich werde es auch bleiben», sagte Klopp. Versprechungen für schnelle Erfolge mit der Fußball-Nationalmannschaft werde er aber nicht machen - im Gegensatz zu seinem bei der WM gescheiterten Vorgänger Julian Nagelmann. Aber einen Traum will er sich doch bewahren. Das Land könne sich verändern, beschrieb Klopp die Strahlkraft des Fußballs.

Augen zu für den WM-Traum

Wenn er die Augen schließe und sich vorstelle, Deutschland sei 2030 Weltmeister, dann sei das eine wunderbare Vorstellung, sagte er und forderte alle auf, die Augen mit dem gleichen Traum zu schließen.

Man dürfe nicht immer die Vergleiche mit Spanien, Argentinien und Frankreich als Fußball-Supermächte ziehen. Nur weil die besser seien und mehr Top-Spieler hätten, könne man dennoch gewinnen. «Erfolg ist Leistung in Relation zur Erwartungshaltung», machte Klopp seine Rechnung auf.

Gleich zum Start seiner Vorstellung sprach Klopp aber auch eine Warnung aus. Aus der Erfahrung, wie zuletzt mit Nagelsmann und Thomas Tuchel in England umgegangen wurde. «Wenn ihr euch danebenbenehmt und meine Familie nicht in Ruhe lasst, bin ich weg», sagte Klopp bei seiner Vorstellung als Coach der deutschen Nationalmannschaft in Frankfurt am Main. Mit Bezug auf mögliche sportliche Kritik sagte Klopp, dass er gerne bereit sei, daran zu arbeiten, wenn etwas nicht funktioniere.

An die Medien gerichtet betonte er: «An dem Tag, an dem ihr das nicht mehr wollt, sagt ihr es und ich bin weg. Ohne Abfindung. Wenn ihr morgen sagt, der ist scheiße, bin ich weg», sagte der 59-Jährige und ergänzte, es müssten schon mehrere Kritiker sein, ein einzelner reiche da nicht. «Ich mache das nicht gegen euch, sondern für euch.» Eine klare Ansage: Spielchen will er nicht akzeptieren.

Keine Aussagen traf Klopp zu anstehenden Personalentscheidungen. Nicht zur Rolle von Kapitän Joshua Kimmich oder zur nach dem Rücktritt von Manuel Neuer offenen Torwartfrage. Fest steht aber: Klopp will an der Viererkette in der Abwehr festhalten und die Flügel stärken. Dort sieht er die «modernen Spielmacher».

Spielerbeobachtung per YouTube

57 Spieler habe er sich auf einem Zettel notiert. Beobachtungen habe er aber nur via YouTube machen können bislang. Erste Aufklärung wird es mit dem Start der Nations League geben, wenn die Klopp-Premiere mit der Partie am 24. September in den Niederlanden ansteht. 

Die Klopp-Personalie war nicht die einzige DFB-Entscheidung. Mit der Bundestrainer-Verkündung gab der DFB auch noch bekannt, dass Per Mertesacker ab Januar 2027 die Position des DFB-Geschäftsführers übernehmen wird.

Nach intensiven Verhandlungen in den vergangenen drei Wochen hat der Verband sein Ziel erreicht, Klopp bis zur nächsten Weltmeisterschafts-Endrunde im Sommer 2030 an sich zu binden. Offiziell erster Arbeitstag ist der 15. August. Klopp, der zuletzt seinen Lebensmittelpunkt auf Mallorca hatte, wird in Wiesbaden wohnen und scherzte, dass er auch einen Parkplatz vor der DFB-Zentrale bekomme. «Da wird ab und zu ein Auto draufstehen.»

«Er war von Anfang an unsere Wunschlösung. Da waren wir uns im Verband einig, dass wir diese Lösung verfolgen müssen», sagte DFB-Präsident Bernd Neuendorf. Die Verpflichtung Klopps sei angesichts anderer Verträge wie mit dessen bisherigem Arbeitgeber Red Bull eine «komplexe Thematik» gewesen. 

Premiere gegen Niederlande

Die ersten Länderspiele stehen für Klopp in zwei Monaten an. Ende September startet die DFB-Auswahl mit gleich vier Partien gegen die Niederlande, Serbien und zweimal Griechenland in die nächste Auflage der Nations League. Seine langjährigen Assistenten Peter Krawietz und Pepijn Lijnders sowie sein Dortmunder Ex-Spieler Sven Bender werden ihm als Co-Trainer zuarbeiten. Und auch sein Berater Marc Kosicke kommt in sein DFB-Team als enger Begleiter.

«Jetzt freue ich mich auf diese besondere Aufgabe im deutschen Fußball, die wir gemeinsam mit Demut und Geduld angehen werden: eine Mannschaft zu entwickeln, die füreinander kämpft, die Freude am Fußball hat und hinter der sich die Menschen in unserem Land mit voller Überzeugung versammeln können», sagte Klopp.

EM 2028 als erstes großes Ziel 

Das erste ganz große Ziel für Klopp ist die Europameisterschaft 2028 in England, Schottland, Wales und Irland. Dafür muss sich das DFB-Team aber noch qualifizieren. Die EM-Qualifikation findet im kommenden Jahr statt.

Klopp war von der DFB-Führung um Neuendorf direkt nach dem alternativlosen vorzeitigen Aus von Nagelsmann als DFB-Chefcoach zur Wunschlösung erklärt worden. Andere Optionen wurden nicht geprüft.

Neuendorf und DFB-Vizepräsident Hans-Joachim Watzke flogen noch während der WM eigens nach New York, um dort mit Klopp und Kosicke zu verhandeln. Klopp arbeitete während des Turniers als Experte für MagentaTV. In den USA konnte als wichtiges Etappenziel «eine Verständigung über wesentliche Eckpunkte eines potenziellen Vertrages erzielt» werden. 

Eine Million Euro für Red-Bull-Stiftung

Ein Hindernis war anfangs Klopps Anstellung als Head of Global Soccer bis 2029 bei Red Bull. Auch hier konnte die DFB-Spitze bei einem Treffen mit Red-Bull-Boss Oliver Mintzlaff in München eine kreative Lösung finden. Klopp war nach seinem Abschied vom FC Liverpool im Sommer 2024 seit Anfang 2025 für den Getränke-Konzern aus Österreich tätig.

Neuendorf bedankte sich ausdrücklich bei Red Bull für die Freigabe Klopps und bestätigte eine Zahlung von einer Million Euro an die Stiftung des Getränkeunternehmens. Zudem wird es in Leipzig drei Länderspiele bis 2030 geben.

Große Erfolge als Vereinscoach

Der Job des Nationaltrainers ist neu für Klopp. Aber der gebürtige Stuttgarter war über viele Jahre einer der besten Vereinstrainer in Europa. Klopp führte den FSV Mainz 05 in die Bundesliga (2004). Mit Borussia Dortmund wurde er zweimal deutscher Meister (2011, 2012) und einmal DFB-Pokalsieger (2012). Er kratzte in seinen BVB-Jahren zeitweise an der nationalen Vormachtstellung des FC Bayern München. 

2015 wechselte er nach England und übernahm den FC Liverpool. Auch die Reds leitete er als Chefcoach zum Meistertitel (2020) und Pokalsieg (2022). Der größte Triumph gelang ihm 2019 mit dem Gewinn der Champions League, dem sportlich bedeutendsten Titel im Club-Fußball.

Nach neun Jahren in der Premier-League-Mühle ging Klopp die Energie aus, wie er bei seinem Abschied vom FC Liverpool erklärte. Das Energie-Thema hatte er aber gleich bei der Bekundung seines Interesses am DFB-Job abgeräumt. «Ich bin mehr als aufgetankt, ich bin bereit», sagte Klopp. Jetzt kann er loslegen.