Bundeskabinett

Risikokapital und Verteidigung: Die neue Start-up-Strategie

22.07.2026, 10:28

Wie will die Bundesregierung verhindern, dass deutsche Start-ups ins Ausland abwandern? Das Strategiepapier verrät es.

Die Bundesregierung will junge, innovative Unternehmen künftig gezielt in ihrer Wachstumsphase unterstützen. Dabei steht erstmals der Bereich Sicherheit und Verteidigung im Fokus der staatlichen Förderung. Das ist der Kern der neuen «Startup- und Scaleup-Strategie» der schwarz-roten Koalition, die heute im Bundeskabinett verabschiedet werden soll. Damit soll verhindert werden, dass erfolgreiche Gründungen bei ihrer internationalen Expansion ins Ausland abwandern, heißt es in dem Strategiepapier, dass der dpa vorliegt.

Nadelöhr bei der Finanzierung öffnen

Um das Nadelöhr beim Zugang zu dringend benötigtem Wachstumskapital zu weiten, plant der Bund unter anderem den Ausbau des Deutschlandfonds. Der Deutschlandfonds ist ein Förder- und Absicherungsprogramm der Bundesregierung, das durch staatlichen Garantien gezielt das Investitionsrisiko abfedert, um bis zu 130 Milliarden Euro an privatem Kapital für Zukunfts- und Infrastrukturprojekte in Deutschland zu mobilisieren. Laut dem Strategiepapier sollen Wagniskapital-Investitionen auch in der Altersvorsorge eine größere Rolle spielen. Außerdem soll Stiftungen erleichtert werden, verstärkt in Start-ups zu investieren. 

Bei der Start-up-Förderung beabsichtigt die Bundesregierung zudem Bürokratie abzubauen. Das Projekt «Schneller Gründen» soll Verwaltungsprozesse durchgängig digitalisieren. Auf europäischer Ebene soll eine einheitliche Rechtsform für die Unternehmen dafür sorgen, dass grenzüberschreitende Aktivitäten spürbar erleichtert werden.

Studie: Finanzierungsrunden für Start-ups sinken 

Dass dieser politische Handlungsbedarf dringend geboten ist, untermauert das aktuelle Start-up-Barometer der Beratungsgesellschaft EY. Zwar verzeichnet der hiesige Markt im ersten Halbjahr 2026 mit rund 5,3 Milliarden Euro an eingesammeltem Risikokapital einen Anstieg von 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr, jedoch sank die Anzahl der Finanzierungsrunden parallel um elf Prozent. 

Da Investoren ihr Geld zunehmend in vermeintlich sichere Wetten und wenige Mega-Deals mit einem Volumen von über 50 Millionen Euro stecken, haben junge und kleine Start-ups im harten Wettbewerb um das Kapital derzeit oft das Nachsehen. Genau hier setzt die Strategie der Regierung an, um das Fundament der Gründerszene in der Breite zu stärken und den Kapitalzugang entlang aller Wachstumsphasen robuster aufzustellen.

Schwerpunkt bei Tech-Unternehmen und Verteidigungs-Start-ups

Besonders deutlich wird die Verzahnung von politischer Prioritätensetzung und Marktrealität im Technologiesektor. Technologiegetriebene Start-ups sind laut EY-Report die absoluten Lieblinge der Investoren, wobei neben dem Bereich Hardware auch Start-ups aus dem Verteidigungssektor mit Zuflüssen in Höhe von 579 Millionen Euro im ersten Halbjahr ein gewaltiges Interesse auf sich ziehen. Die Bundesregierung reagiert auf diese geopolitische und wirtschaftliche Dynamik, indem sie ein spezielles Direktbeteiligungsvehikel für Start-ups aus der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie auflegt und den Zugang zu öffentlichen Aufträgen für junge Technologiefirmen erleichtert.

Da selbst die innovativsten Start-ups für ihr rasantes Wachstum dringend hoch qualifizierte Köpfe benötigen, adressiert das Papier abschließend auch den Fachkräftemangel. Durch flexiblere Kündigungsregeln für hoch vergütete Arbeitsverhältnisse und attraktivere steuerliche Rahmenbedingungen für die Mitarbeiterkapitalbeteiligung sollen deutsche Start-ups im globalen Kampf um die besten Talente künftig deutlich wettbewerbsfähiger agieren können.