Raumfahrt

Schwerelose Teenager: Bär wirbt um Astronautennachwuchs

15.07.2026, 14:35

20 Sekunden echtes Schweben: Forschungsministerin Bär sucht neugierige Teenager für ein Abenteuer, das sonst nur Astronauten erleben.

Einmal echte Schwerelosigkeit wie im Weltall erleben - für 30 Jugendliche in Deutschland soll das in kommenden Jahr Wirklichkeit werden. Forschungs- und Raumfahrtministerin Dorothee Bär warb bei einem Besuch von Airbus in Bremen im Rahmen ihrer Sommerreise für ein noch wenig bekanntes Programm, für das sich 15- bis 18-Jährige demnächst bewerben können: «Astronaut for a day» (Astronaut für einen Tag) beinhaltet einen sogenannten Parabelflug.

20 Sekunden echter Schwebezustand 

Bei einem solchen Flug steigt ein Flugzeug steil nach oben und geht anschließend in einen steilen Sinkflug über. Während des Flugmanövers herrscht im Inneren für rund 20 Sekunden Schwerelosigkeit. Nach Angaben des früheren Astronauten und heutigen Abteilungsleiters für Raumfahrt im Bundesforschungsministerium, Thomas Reiter, entspricht das Gefühl der Schwerelosigkeit auf so einem Flug dem in einer Raumstation wie der ISS.

Jugendliche durchlaufen kleines Astronautenprogramm 

Zum Auswahlprogramm sagte Bär der Deutschen Presse-Agentur: «Die Voraussetzungen sind genau die gleichen, die auch die echten Astronauten durchlaufen. Das heißt, es wird ein Gesundheitstest stattfinden, ein Fitnesstest, es werden Interviews geführt, wie bei dem Astronautenkorps auch. Ja, und dann Allgemeinwissen, also alles, was dazugehört.»

Jugendliche, die sich dafür interessieren, können nach ihren Angaben ab Herbst ein Bewerbungsvideo im Internet hochladen. Das genaue Datum und die Details stehen noch nicht fest. 30 werden schließlich für den Parabelflug ausgewählt. Organisiert wird das Programm von der Deutschen Raumfahrtagentur im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Es soll Teil des Wissenschaftsjahres 2027 zum Thema Raumfahrt sein. 

Bär an Bord - «Leben am Limit» 

Bär wird nach eigenen Angaben neben den beiden deutschen Esa-Astronauten Matthias Maurer und Alexander Gerst auch selbst an dem Parabelflug teilnehmen. Auf die Frage, ob ihr davor nicht ein bisschen bange sei, antwortete sie lachend: «Nee, Leben am Limit.»

Sie glaube, die Teilnehmer des Programms seien hinterher die besten Botschafter für die Raumfahrt und kämen von der Faszination davon nie mehr los. «Die haben die Astronauten zum Anfassen. Die können berichten, wie es ist, in der Schwerelosigkeit zu sein.» Hintergrund für den Vorstoß ist auch ein Nachwuchsmangel in naturwissenschaftlichen Fächern - den sogenannten MINT-Fächern. Bär betonte die Bedeutung von Ingenieuren für die Raumfahrt.

«Astronaut for a Day» gibt es bereits in anderen europäischen Ländern, etwa Österreich oder Luxemburg. Teilnehmer dort hatten hinterher begeistert von ihren Erlebnissen berichtet.