Musik

Bewegendes Konzert deutscher und ukrainischer Musiker

6.07.2026, 14:36

Mitten im Krieg soll Musik Hoffnung geben. Ein junger Fagottist aus der Ukraine kämpft sich trotz Amputation zurück ins Orchester. Deutsche Musiker zeigen Solidarität.

Das Solidaritätskonzert deutscher Musiker für die Ukraine in Lwiw (Lemberg) hat viel Resonanz ausgelöst. «Die Reaktionen waren überwältigend. Nun sind wir alle wohlbehalten und mit unvergesslichen Erfahrungen zurück», sagte Organisator Andreas Dude der Deutschen Presse-Agentur. Neun Musiker aus Dresden und eine Musikerin aus Berlin hatten sich am Samstag in der Philharmonie in Lwiw in die Reihen des dortigen Orchesters gesetzt und Werke von Robert Schumann, Ludwig van Beethoven und Moritz Moszkowski interpretiert. 

Dude hatte sich vor dem Konzert an das Publikum und die Kollegen gewandt. «Wir Musiker aus Deutschland haben großen Respekt vor den immensen Herausforderungen, denen Ihr Land und Ihre Familien gegenüberstehen. Seien Sie gewiss: Wir stehen an Ihrer Seite und möchten Ihnen unsere Solidarität ausdrücken. Die Menschen in der Ukraine haben eine solche Stärke und einen solchen Durchhaltewillen bewiesen, dass man fast von einem Wunder sprechen möchte. Verlieren Sie die Hoffnung für Ihr Land und Ihr Volk nicht. Ziehen Sie Kraft aus der Musik - denn sie verbindet uns alle als Menschen.» 

Fagottist will nach schwerer Verletzung ins Orchester zurück

Nach den Worten von Dude, Kontrabassist der Elbland Philharmonie, kam es auch am Rande zu Begegnungen. So sei ein junger Fagottist im Saal gewesen, der vor vier Jahren seinen Wehrdienst in Saporischschja angetreten habe und bei Kampfhandlungen schwer verletzt worden sei. Nach mehr als 50 Operationen in den USA und der Amputation seines Ringfingers habe er nun in Lwiw eine Reha begonnen. 

«Als ich mit ihm sprechen konnte, zeigte er mir Bilder seines zertrümmerten Beines. In circa zwei Monaten möchte er wieder als Fagottist im Lemberger Orchester anfangen. Sein Instrument hat er mit einem Klappenumbau an den fehlenden Finger angepasst.»

Hilfe in Form von Kultur

Dude hatte die Reise privat organisiert. 2009 war er als Tourist nach Lemberg gekommen und von der Stadt fasziniert. «Zwei Jahre später reiste ich erneut in die Ukraine: von Lemberg über Kiew bis zur Krim. Diese Reise prägte mich nachhaltig (...) Dieses Land hat mein Herz erobert.» Vor allem die Herzlichkeit der Menschen habe ihn beeindruckt. Da er nach Beginn des russischen Angriffskrieges wegen seines Orchesterdienstes in Sachsen nicht selbst an Hilfstransporten habe teilnehmen können, habe er sich entschlossen, «Hilfe in Form von Kultur» zu leisten. «Ich wollte in die Ukraine zurück.» 

Orchester sind wegen des Kriegs zum Improvisieren gezwungen

Dude hofft, dass die Verbindung zu den Kollegen in der Ukraine bestehen bleibt. Die Orchester in der Ukraine seien wegen des Kriegsgeschehens zum Improvisieren gezwungen. Auch beim Solidaritätskonzert am Samstag habe man das Programm kurzfristig umstellen müssen. Die Nationale Philharmonie in Lwiw könne aufgrund der Sicherheitslage weder mit Solisten planen, noch in jedem Fall die Noten beschaffen. Durch den Einsatz an der Front würden Musiker fehlen. 

Dennoch versuche man, einen regelmäßigen Konzertbetrieb am Laufen zu halten. «Sie planen ein, zwei Monate im Vorfeld, müssen dann aber kurzfristig entscheiden.»