Hilfe nach Erdbeben
Nach Beben in Venezuela - Deutsche Rettungskräfte unterwegs
26.06.2026, 13:32
Nach den verheerenden Erdbeben in Venezuela mit mindestens 235 Toten haben sich die ersten Rettungskräfte aus Deutschland auf den Weg ins Katastrophengebiet gemacht. Vom Fliegerhorst Wunstorf in Niedersachsen hob am Vormittag eine erste Militärmaschine des Typs A400M ab, wie ein dpa-Reporter vor Ort berichtete. Weitere sollten noch im Laufe des Tages folgen.
An Bord der Bundeswehr-Maschinen sind neben Soldaten zahlreiche Einsatzkräfte des Technischen Hilfswerks (THW) sowie tonnenweise Material und Technik. Zu den Hilfsgütern zählen unter anderem Wasserfilter, Feldbetten, Zelte und Generatoren.
Internationaler Flughafen wegen Schäden geschlossen
Nach Angaben der Luftwaffe sollen die Maschinen zunächst auf die Karibikinsel Curaçao fliegen. Einen Zwischenstopp sollten die Flugzeuge und ihre Crews nach rund viereinhalb Stunden auf den Azoren einlegen, wie ein Sprecher der Luftwaffe sagte. Danach soll es dann weitergehen zu einem Flugplatz nach Curaçao oder aber direkt in Venezuela - wohin dort genau, war zunächst nicht bekannt. Der internationale Flughafen Simón Bolívar im schwer getroffenen Bundesstaat La Guaira war wegen Schäden geschlossen worden.
Zwei schwere Beben der Stärke 7,2 und 7,5 hatten am Mittwoch den Norden und das Zentrum Venezuelas erschüttert - im Abstand von 39 Sekunden. Nach Angaben der Regierung des südamerikanischen Landes gibt es nach ersten Erkenntnissen mindestens 235 Tote, mehr als 4.300 Menschen wurden verletzt. Es gibt Hinweise darauf, dass die Gesamtzahl der Vermissten in die Tausende gehen könnte. Die Bundesregierung hat bislang keine Erkenntnisse über deutsche Staatsangehörige unter den Opfern.
Einsatzleiter: Unübersichtliche Lage
Die Lage in Venezuela sei noch sehr unübersichtlich, sagte der THW-Teamleiter des deutschen Einsatzes, Peter Benz. «Wir lesen natürlich auch die Newsticker und versuchen, uns aus den Puzzlesteinen ein Bild zusammenzusetzen.» Dabei würden auch Kontakte vor Ort helfen. «Aber wir werden sicherlich mit ganz, ganz viel Zerstörung und ganz viel Leid konfrontiert sein.»
Auf Bildern aus Venezuela habe er die zerstörten Hochhäuser gesehen. Die Betonbebauung habe den Vorteil, dass sich Hohlräume bildeten. «Und in den Hohlräumen haben Menschen Chancen zu überleben», sagte der Einsatzleiter.
Die Einsatzkräfte haben neben Suchhunden auch technisches Material wie Mikrofone und Kameras dabei, um Verschüttete zu lokalisieren. Die Erfahrung zeige, dass auch «nach 100, 120, 150 Stunden» immer noch überraschend Menschen lebendig aus den Trümmern gerettet würden, sagte Benz.
Menschen suchen mit bloßen Händen nach Angehörigen
In der Nacht auf Freitag landeten bereits mehrere internationale Einsatzteams in Venezuela, darunter Helfer aus Mexiko, El Salvador und der Schweiz. Auch die USA brachten Such- und Rettungsmannschaften sowie humanitäre und medizinische Hilfe auf den Weg.
Die Hilfe wird dringend benötigt. Im Bundesstaat La Guaira ist die Lage besonders dramatisch. Dort sind nach Angaben des venezolanischen Innenministers Diosdado Cabello mehr als 70.000 Familien von den Folgen der Erdbebenkatastrophe betroffen.
Auf Fernsehbildern waren meterhohe Schutthaufen zu sehen, in denen Menschen teils mit bloßen Händen nach ihren Angehörigen suchten. Vereinzelt wurden aber auch immer wieder Verletzte unter Jubel aus den Trümmern gezogen.
Schwierige Kommunikationslage
Vielerorts waren das Mobilfunknetz und das Internet nach den Beben eingeschränkt. In sozialen Netzwerken kursierten Gerüchte über einen drohenden Tsunami. Innenminister Cabello widersprach den Gerüchten im Staatsfernsehen. Es handle sich um «skrupellose Leute, die nur darauf aus sind, unserem Volk und den Menschen in La Guaira zu schaden», sagte er.
Um das Katastrophengebiet mit Internet zu versorgen, kündigte die Firma Starlink von Tech-Unternehmer Elon Musk an, das Kommunikationsnetz für bestehende wie neue Kunden bis zum 25. Juli kostenfrei zur Verfügung zu stellen.
Erdbeben verschärfen bestehende Probleme
Das Land an der Nordspitze Südamerikas befand sich schon vor der Erdbebenkatastrophe in einer prekären Lage. Trotz der größten bekannten Erdölreserven der Welt - deren Verwertung allerdings technisch komplex und kostspielig ist - leben viele Menschen in Armut. Krankenhäuser, Strom- und Wasserversorgung funktionieren vielerorts ohnehin nur eingeschränkt.
Vor diesem Hintergrund sei davon auszugehen, «dass die Auswirkungen der Erdbeben bestehende soziale und wirtschaftliche Ungleichheiten weiter verschärfen und zusätzliche Haushalte in akute Notlagen drängen werden», hieß es in einer Mitteilung der Hilfsorganisation Care.
Auch politisch erlebt Venezuela höchst turbulente Zeiten. Im Januar hatte das US-Militär den langjährigen Machthaber Nicolás Maduro gefangengenommen und in die USA gebracht. Seine vorherige Stellvertreterin Delcy Rodríguez ist seither geschäftsführend im Amt.