Bahnverkehr
Nach Bahn-Störung: Zugverkehr läuft - erste Kritik wird laut
24.06.2026, 09:45
Nach der bundesweiten Störung ist der Zugverkehr nach Angaben der Deutschen Bahn am Morgen wieder «reibungslos angelaufen». Es komme aber noch vereinzelt zu Folgeverspätungen, teilte die Bahn mit. Sämtliche Strecken seien uneingeschränkt befahrbar, und das volle Zugangebot im Regional- und Fernverkehr fahre weitestgehend planmäßig, hieß es.
Nähere Angaben zur Ursache der Störung vom späten Dienstagabend machte die Bahn nicht. Diese sei in der Nacht identifiziert worden, es könnten aber keine Details genannt werden, hieß es. Sicherheitsbehörden gehen nach rbb-Informationen nicht von Sabotage aus. Als Ursache werde ein fehlerhaftes Update der Deutschen Bahn vermutet. Von einem Software-Update berichteten Bahnmitarbeitende auch dem SWR.
Eine deutschlandweite Störung des digitalen Bahnfunksystems GSM-R hatte bei der Deutschen Bahn (DB) am Abend für rund zwei Stunden Stillstand gesorgt. Es waren etliche Reisende betroffen. Kurz nach Mitternacht wurde das Problem behoben. Gegen 0.30 Uhr fuhren die ersten Züge wieder. Danach lief der Verkehr am frühen Morgen Schritt für Schritt wieder an.
NRW-Minister: «Tiefpunkt bei ohnehin schwacher Betriebsqualität»
Nordrhein-Westfalens Verkehrsminister Oliver Krischer übte deutliche Kritik an der Bahn. «Das macht mich fassungslos. Dass durch einen technischen Defekt der komplette Bahnverkehr in Deutschland zum Erliegen kommt, ist ein neuer Tiefpunkt bei einer ohnehin schwachen Betriebsqualität», sagte Krischer der Deutschen Presse-Agentur (dpa).
«Ich erwarte, dass die Bahn diesen Vorfall transparent und lückenlos aufklärt. Es kann nicht sein, dass wegen des Ausfalls eines Systems Zehntausende Menschen die Nacht in Zügen und Bahnhöfen verbringen müssen.» Der NRW-Minister äußerte auch Kritik am Notfallmanagement. Nötig seien Notfallmechanismen, die ein solches Desaster in Zukunft vermeiden.
Am Morgen weitgehend normaler Verkehr
In Nordrhein-Westfalen lief der Verkehr am Morgen wieder weitgehend normal. Am Duisburger Hauptbahnhof waren einige Züge leicht verspätet, Ausfälle gab es aber fast keine. An den anderen Bahnhöfen im bevölkerungsreichsten Bundesland war das Bild ähnlich: In Köln und Düsseldorf lief der Betrieb völlig normal, wie Reporter der dpa berichteten.
In Berlin rollte der S-Bahn-Verkehr am Morgen ohne größere Einschränkungen. «Bisher sind keine größeren Verspätungen mehr feststellbar. Hoffen wir, dass es so bleibt», teilte das Unternehmen auf X mit. An der Haltestelle Zoologischer Garten und am Berliner Hauptbahnhof ging es am frühen Morgen ruhig zu.
Kaum Auskünfte für Reisende
In der Nacht waren zahlreiche Reisende auf Bahnhöfen gestrandet, vor Bahnhofsinformationen hatten sich sehr lange Warteschlangen gebildet. Viele Reisende saßen durch den Ausfall fest. Zwar wurden laut einem Bahnsprecher Taxi- und Hotelgutscheine ausgegeben - teils konnten Menschen aber keine freien Hotelzimmer mehr buchen, etwa in Frankfurt. Ein ICE nach Mannheim und Stuttgart fuhr dort nahezu ohne Passagiere los. Niemand hatte den vielen Wartenden vor der Abfahrt Bescheid gegeben. Unter anderem am Berliner Hauptbahnhof beklagten Fahrgäste, dass es keine Auskünfte gab.
Die Ursache der Störung des Bahnfunks GSM-R hatte die DB noch in der Nacht identifiziert. IT-Experten der Bahn hätten pausenlos an der Entstörung gearbeitet, mit Erfolg. «Die Störung konnte so innerhalb kurzer Zeit behoben werden», hieß es weiter. Man danke allen Fahrgästen für die Geduld. Bahn-Chefin Evelyn Palla sagte der «Bild»-Zeitung, die Lage sei mit einem Notfallsystem stabilisiert worden.
GSM-R steht für «Global System for Mobile Communications - Railway». «Das GSM-R Mobilfunknetz ersetzt nahezu alle analogen Funksysteme der Deutschen Bahn AG», heißt es auf der Webseite der DB InfraGo, der Betreiberin der Infrastruktur der Deutschen Bahn. Demnach bietet es Vorteile wie etwa hohe Sicherheit in der betrieblichen Kommunikation, die Möglichkeit spezieller Gruppenanrufe und die Option zur gezielten Kontaktaufnahme mit den Fahrdienstleitern.
Auch S-Bahnen, Bahn-Mitbewerber und Güterverkehr betroffen
Von der Störung betroffen waren nicht nur Fern- und Regionalverkehrszüge, sondern auch S-Bahnen, die von der DB betrieben werden, und Bahn-Mitbewerber. In Berlin etwa war der Verkehr im gesamten S-Bahn-Netz eingestellt, ebenso in Stuttgart. Still stand außerdem der Güterverkehr, der vor allem abends und nachts unterwegs ist.
Der Verband der privaten Güterbahnen forderte deshalb eine genaue Aufarbeitung des zweistündigen Ausfalls. Die Ursache für den Ausfall am späten Dienstagabend dürfe «nicht allein durch eine "Selbstauskunft" der DB InfraGo als Betreiberin beantwortet werden», sagte Verbandsgeschäftsführer Peter Westenberger der dpa. Es brauche eine bessere Überwachung und Steuerung des Schieneninfrastrukturbetriebs.