Wirtschaft

Deutschland und Türkei wollen engere Wirtschaftsbeziehungen

19.06.2026, 14:46

Katherina Reiche sieht die Türkei als zentralen Partner. Beide Seiten wollen die Wirtschaftsbeziehungen weiter vertiefen - ein Schwerpunkt: Energie.

Deutschland und die Türkei wollen ihre Wirtschaftsbeziehungen weiter ausbauen. «Wir brauchen die Türkei als verlässlichen Handelspartner, aber auch zur Erreichung gemeinsamer politischer Ziele», sagte Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche am Rande von politischen Gesprächen in Ankara. Reiche erinnerte dabei an Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine und den Krieg im Iran, der hoffentlich dauerhaft beendet werde.

Reiche und der türkische Handelsminister Ömer Bolat werteten die Entwicklung des Handels beider Länder positiv. «Die Türkei ist der fünftgrößte Handelspartner der EU», stellte Reiche fest. Sie betonte, dass die Handelsbeziehungen nahezu ausgeglichen seien. Die Investitionen deutscher Unternehmen in der Türkei seien breitgefächert. «Umgekehrt gilt dasselbe.» Deutsche Investoren wollten ihre Stellung auf dem türkischen Markt künftig weiter ausbauen. 

Sichere Energie als gemeinsames Ziel 

Nach den weltweiten Verwerfungen infolge der Schließung der Straße von Hormus als Lieferweg für Öl setzen Deutschland und die Türkei auch bei Energie und Rohstoffen auf mehr Kooperation. «Es geht nicht, passiv da draufzuschauen», sagte Reiche. Es müsse aktiv gehandelt werden. Beide Seiten vereinbarten, ihre 2012 gegründete Energie-Partnerschaft auszubauen. «Lassen Sie uns aus den Herausforderungen heute die Stärke von morgen gewinnen», sagte Reiche beim 7. türkisch-deutschen Energieforum.

Der türkische Energieminister Alparslan Bayraktar kündigte an, dass die Türkei sich künftig nicht nur um die eigene Energiesicherheit kümmern wolle, sondern auch dazu beitragen wolle, dass Europa sichere Energie habe.

«Offenheit für alles»

Reiche wies auf ein großes Gasfeld im Schwarzen Meer hin, das eine zentrale Rolle in der künftigen Versorgung der Türkei spielen solle. «Wer über Energie verfügt, ist weniger abhängig», sagte die Politikerin. Wer über Energie verfüge, sei auch einflussreicher. Als Antwort auf die jüngste Ölkrise müsse auf mehrere Energiequellen parallel gesetzt werden. Deutschland und die Türkei seien sich einig, dass es Offenheit für verschiedene Technologien geben müsse – «und Offenheit für alles, was Unternehmen auf den Markt bringen». Beide Seiten hielten ihre Energieziele in einem Protokoll fest.

Erweitert werde die Energiepartnerschaft um Zusammenarbeit bei kritischen Mineralien, also seltenen Rohstoffen. «Die Energiewende muss gelingen und sie kann gelingen, wenn wir gemeinsam Zugriff auf kritische Mineralien haben», sagte Reiche.

Zur Ehren Atatürks

Am Atatürk-Mausoleum erwies Reiche dem Gründer der liberalen Türkei mit einer Kranzniederlegung die Ehre und würdige mit einem Eintrag ins Gästebuch Mustafa Kemal Atatürk. Zum Start ihres zweitägigen Besuchs in Ankara hatte Reiche die Frage beantwortet, ob die innenpolitische Lage mit Repressionen gegen die Opposition zur Sprache kommen solle. Es gebe neben schönen Themen auch komplizierte, so Reiche. «Die werden wir besprechen, aber bestimmt nicht kurz vor Abflug und nicht ins Mikrofon.»