Bundesregierung

Texte von Minister Wildberger mit Hilfe von KI erstellt

14.06.2026, 15:18

Reden und Artikel wurden mit der Unterstützung von KI erstellt. Das Ministerium räumt dies ein - und verteidigt den Einsatz.

Bundesdigitalminister Karsten Wildberger (CDU) gerät wegen Texten, die mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt wurden, in den öffentlichen Fokus. Ein Ministeriumssprecher bestätigte der Deutschen Presse-Agentur, dass Wildberger KI als Arbeitswerkzeug nutze. Das «Handelsblatt» entfernte einen Gastbeitrag des Ministers vorerst aus seinem Angebot.

Redaktionen nicht über KI-Einsatz informiert

«Die Zeit» hatte berichtet, Wildberger habe «offenbar» mehrere Reden und Gastbeiträge für Zeitungen zu großen Teilen von Künstlicher Intelligenz schreiben lassen. Der Ministeriumssprecher teilte nun mit, Wildberger nutze KI als Unterstützung, «weil er überzeugt ist, dass Deutschland den produktiven und zugleich maßvollen Umgang mit KI schnell lernen muss». Das gelte «auch für die Politik».

Laut der «Zeit» wurden die Texte mit einer Analysesoftware untersucht. Dem Ergebnis zufolge stammte laut der Zeitung der «Handelsblatt»-Beitrag unter Wildbergers Namen aus dem April fast vollständig von einer KI, ein Beitrag in der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung» (FAS) vom März überwiegend. Auch eine Rede vor dem Atlantic Council in Washington, D. C. im Juli 2024 stammte laut «Zeit» komplett von einer KI, mehrere Reden im Bundestag zu größeren Teilen. 

«Handelsblatt» depubliziert Wildberger-Beitrag vorerst

Gegenüber den Redaktionen von «Handelsblatt» und «FAS» legte das Ministerium den KI-Einsatz nicht offen, wie ein Sprecher sagte: «Eine gesonderte Offenlegung gegenüber den Redaktionen erfolgte nicht – weil Minister Wildberger KI als unterstützendes Arbeitsmittel betrachtet, über dessen Nutzung man nicht anders Rechenschaft ablegt als über Textverarbeitung, Recherche-Tools oder redaktionelle Unterstützung.»

Das «Handelsblatt» überprüft den fraglichen Text nach eigenen Angaben nun selbst, «daher hat die Redaktion den Beitrag vorerst depubliziert», teilte die Sprecherin der Handelsblatt Media Group in Düsseldorf mit. Es geht um einen Gastbeitrag Wildbergers vom 4. April unter der Überschrift «Deutschlands Digitalproblem – Viele Projekte, wenig Produkte». 

«Mensch muss prüfen, ändern und entscheiden»

Der Ministeriumssprecher skizzierte die Reden-Entstehung. Jede Rede beginne mit einer Vorbesprechung des Redenreferats mit dem Minister zu Struktur, Wirkung und Kernaussagen. Danach erarbeite das Referat Inhalt, Argumentation und Struktur. «KI kann als Sparringspartner eingesetzt werden: um Gedanken zu ordnen, alternative Formulierungen zu prüfen, Kürzungen vorzuschlagen oder die Struktur zu schärfen.» Die Überprüfung und Validierung müsse immer gesondert durch Menschen erfolgen, etwa um Fehler auszuschließen. «Bevor etwas in eine Rede übernommen wird, muss ein Mensch prüfen, ändern und entscheiden.» 

Zuvor war bereits der thüringische Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) in die Kritik geraten, weil mehrere seiner Reden und Gastbeiträge für Medien oder Teile davon mit Hilfe KI erstellt worden sein sollen, so etwa eine Rede zum Holocaust-Gedenktag, eine Trauerrede und eine Neujahrsansprache.