Seefahrt
Taalke Middents steuert Containerschiffe um die halbe Welt
12.06.2026, 14:46
Für Taalke Middents ist das Meer nie weit entfernt: Die Frau aus Ostfriesland - eine Region an der deutschen Nordseeküste - ist die jüngste Kapitänin bei Deutschlands größter Containerreederei. Gerade fuhr die 35-Jährige auf dem Hapag-Lloyd-Schiff «Linah» mit Platz für knapp 15.000 Container sechs Monate lang um die halbe Welt. «Die Seefahrt ist super vielseitig und macht einfach sehr viel Spaß», sagt Middents. Die Reise mit dem mehr als 300 Meter langen Frachter führte sie von Slowenien nach Ägypten um Afrika herum bis nach China und zurück - ihr erster Einsatz als Kapitänin.
An ihrem Beruf schätze sie die Abwechslung, die ihn von jedem Bürojob unterscheide, erzählt Middents während einer Auszeit in ihrer Heimatstadt Emden in Niedersachsen. «Jeden Tag wird man mit seinem Wissen und seinen Fähigkeiten neu gefordert. Mal ist wirklich Entendeich, blauer Himmel und die Delfine springen am Horizont, und dann gibt es Tage, wo man auf besondere Wettersituationen oder veränderte Hafeneinläufe reagieren muss.»
«Das ist es, das will ich machen»
«Ich war schon immer viel am Wasser», berichtet Middents. Nach dem Abitur las sie sich in verschiedene Studiengänge ein und blieb beim Fach Wirtschaftsingenieurwesen und der Seefahrt «kleben». «Ich habe das gelesen und mir gedacht: Das ist es, das will ich machen», erinnert sich Middents.
Als Kapitänin hat die 35-Jährige nun die Verantwortung für Schiff, Ladung und die internationale Besatzung. Entsprechend wichtig seien Teamevents an Bord wie Grill-Partys. Auch als Nikolaus war die Kapitänin schon im Einsatz. Sie habe dafür Süßigkeiten von zu Hause eingepackt und am Abend davor an das Whiteboard geschrieben: «Deutsche Tradition, saubere Schuhe vor die Tür stellen – dann kommt vielleicht der Nikolaus.» So ließen sich auch auf einem internationalen Schiff eigene Traditionen und Bräuche teilen, sagt sie.
Frauenanteil auf See steigt langsam
Frauen, die als Offizierin, Schiffsmechanikerin oder Kapitänin auf einem Seeschiff arbeiten, sind nach wie vor eine Ausnahme. Bei Hapag-Lloyd mit seinen mehr als 300 Containerschiffen fahren vier Kapitäninnen. In Deutschland stieg der Anteil von Frauen an Bord der deutschen Handelsflotte nach Angaben des Verbands Deutscher Reeder (VDR) in den vergangenen Jahren zwar langsam, er liegt aber noch immer im einstelligen Bereich, zuletzt bei rund 7 Prozent. Bei Hapag-Lloyd betrug der Frauenanteil zuletzt 5,7 Prozent. International liegt der Durchschnitt laut VDR bei rund 2 Prozent.
Middents kennt es, die einzige Frau an Bord zu sein. «Wenn man als Frau allein an Bord ist, dann ist man die Frau», sagt sie. «Aber wenn mehrere Frauen an Bord sind, dann ist man die Offizierin oder die Ingenieurin und nicht mehr nur "die Frau". Das normalisiert vieles.» Sie wünscht sich mehr Frauen in der Seeschifffahrt. Ihr Rat an junge Frauen, die vor der Berufswahl stehen: «Wenn man sich für die Seefahrt interessiert, sollte man es in jedem Fall ausprobieren».