Dax weiter in schwierigem Fahrwasser - Berichtssaison läuft aus

16.05.2026, 09:08

Der Dax könnte sich nach seiner jüngsten Schwäche auch in der neuen Woche im weiter spannungsgeladenen geopolitischen Umfeld schwertun.

Der Dax könnte sich nach seiner jüngsten Schwäche auch in der neuen Woche im weiter spannungsgeladenen geopolitischen Umfeld schwertun. Nach der heißen Phase der laufenden Berichtssaison, die laut Claudia Windt von der Landesbank Helaba mit guten Geschäftszahlen die Aktienkurse gestützt hat, werden die Unternehmensnachrichten nun deutlich weniger. Inflations- und Konjunktursorgen sowie fehlende Verhandlungsfortschritte im Nahen Osten haben den Dax am Freitag wieder deutlich unter Druck gesetzt. Zum Handelsende büßte der deutsche Leitindex 2,07 Prozent auf 23.950,57 Zähler ein. 

Gemessen an den Inflationssorgen und fehlenden Verhandlungsfortschritten im Nahen Osten schlügen sich die Börsen bislang recht gut, betonte Windt. Sie verwies auf die Bestmarken wichtiger Indizes in den USA und Japan. Beim deutschen Leitindex sehe die Entwicklung allerdings verhaltener aus. In den kommenden Wochen werde sich zudem zeigen, «wie stark die realwirtschaftlichen Verwerfungen aufgrund des Energiepreis- und Teuerungsschocks ausfallen werden und womöglich auch Aktien in Mitleidenschaft ziehen». Am Anleihenmarkt zeige sich dies mit einem kräftigen Renditeanstieg bereits deutlicher.

Die Aktienmärkte versuchten weiterhin, den Nahostkonflikt als Unruheherd hinter sich zu lassen, heißt es im Ausblick der DZ Bank. Doch der Dax und sein Eurozonen-Pendant EuroStoxx 50 notierten trotz der Erholung seit Kriegsausbruch immer noch klar unter ihren vorherigen Kursniveaus. Dagegen zeige die vom Thema Künstliche Intelligenz (KI) befeuerte Rekordjagd in New York, dass das Thema Iran dort keine größere Rolle mehr spiele. Eine solche Divergenz belege auch die unterschiedliche Entwicklung der Volatilitätsindizes auf Basis des Dax und des marktbreiten US-Index S&P 500.

Vor dem Wochenende kam es zwar trotz erneut erfreulicher US-Geschäftszahlen weltweit zu Gewinnmitnahmen im Technologie- und insbesondere im Halbleitersektor. Beobachter gehen aber davon aus, dass die KI-getriebene Rally nach einer Pause weitergehen könnte. Davon würden die US-Börsen mit ihren Tech-Riesen wie dem KI-Chip-Spezialisten Nvidia, der Google-Mutter Alphabet und dem Softwarekonzern Microsoft ungleich stärker profitieren als die europäischen Märkte, wo die Tech-Branche keinen annähernd so hohen Stellenwert hat.

Nvidia veröffentlicht in der neuen Woche am Mittwoch nach US-Börsenschluss traditionsgemäß als letzter Konzern aus der Gruppe der «Magnificent 7» den Quartalsbericht. Die Erwartungen sind wie immer hoch, die Aktien im Rally-Modus in Rekordhöhen. Die kanadische Bank RBC geht davon aus, dass der KI-Chip-Spezialist den Ausblick auf das laufende Quartal anheben wird.