Literatur

Weltraum für Alle: Rogges Buch über ihre historische Mission

15.05.2026, 08:32

Die erste deutsche Frau im All verbindet in ihrem Werk persönliche Erlebnisse mit Wissenschaft - und lädt Leserinnen und Leser zur eigenen Zukunftsvision ein.

Ein Jahr nach ihrem Raumflug hat Deutschlands erste Astronautin Rabea Rogge (30) die Bedeutung von Zuversicht und Experimentierfreude betont. «Wir bauen keine Zukunft auf Zynismus auf, auch nicht auf Schwarz-Weiß-Denken, sondern auf mutigen Ideen und Tatendrang», sagte Rogge der Deutschen Presse-Agentur. Ihr größtes Ziel sei, die Einsicht zu teilen, dass die Menschheit kreativ, neugierig und empathisch sein könne. «Das Einfachste ist: Experimentieren! Und keine Angst vor dem Scheitern haben.»

Rogge war am 1. April 2025 mit drei Crew-Mitgliedern in einer «Dragon»-Kapsel ins All gestartet. Sie forschten rund vier Tage lang in der Schwerelosigkeit.

Rockmusik als Rückenwind

Ihre Erlebnisse hat Rogge nun im Buch «Ein (bisschen) Weltraum für Alle» zusammengefasst. Darin schildert sie etwa das entbehrungsreiche Training, geht aber auch auf die Geschichte der Erkundungen und die Faszination Robotik ein. Rogge reflektiert sowohl die Mission als auch den Nutzen von Wissenschaft und regt mit einem Workbook dazu an, eine eigene Utopie zu gestalten.

Die Berlinerin schafft es, Leserinnen und Leser mitzunehmen und erzählt unter anderem, welches Lied der Rockgiganten Led Zeppelin die Crew beim Start begleitet hat. «Es schien das Unwirklichste auf der Welt zu sein: Hier waren wir, eine Gruppe ganz normaler Leute, und uns wurde ganz nebenbei in einem Videocall gesagt, dass wir ins All fliegen würden.»

Mit der Zuschreibung «erste deutsche Frau im All» hadert sie. «Wenn ich einen Fehler machte, machte ich ihn nicht für mich, sondern stellvertretend für alle Frauen der Welt.» Die Geschlechterfrage, meint Rogge, «sollte kein Konflikt sein, sondern ein Dialog. Denn das Endziel ist nicht, dass jemand gewinnt. Sondern dass wir alle gewinnen.»

Ein Vorbild für Frauen?

Ob sie ein Vorbild für Frauen sei, könne sie selbst nicht bewerten, sagte Rogge der dpa. «Ich möchte aber, dass sich kein Mensch je selbst anzweifelt, weil das Umfeld das unbegründet tut. Das ist mir als Frau in einem technischen Umfeld oft passiert, und ich habe es nicht immer gemerkt.» Grundsätzlich möchte sie in einer Gesellschaft leben, wo es nicht mehr Thema sei, ob man etwas «als Frau» erreiche. «Wir sind alle Menschen mit verschiedenen Talenten.»

Nach ihrem Flug sei sie zurück zur Forschung in der Ozeanrobotik gegangen, erzählte Rogge. Ein nächster Flug sei zumindest nicht geplant. «Ich würde auf jeden Fall noch einmal fliegen – mehr wünsche ich mir aber, dass andere Leute auch die Chance bekommen.» Den größten Mut habe sie bewiesen, überhaupt zuzusagen. «Mut ist allerdings nichts, was man hat oder nicht, sondern eher ein Muskel, den man trainiert.» In ihrem Buch erzählt sie anschaulich davon.