Kriminalität
Notruf aus Bank hält Sinzig in Atem - «Alptraum ist vorbei»
8.05.2026, 14:18
Bewaffnete Einsatzkräfte, ein kreisender Hubschrauber, Absperrungen: Es sind Szenen wie aus einem Actionfilm - mitten in Sinzig, einem kleinen Ort in Rheinland-Pfalz. Die Polizei war am Morgen alarmiert worden, demnach sollen in der Gemeinde im Kreis Ahrweiler mehrere Täter in einer Bankfiliale Menschen in ihrer Gewalt haben, darunter den Fahrer eines Geldtransporters. Laut Polizei waren mehrere Hundert Einsatzkräfte vor Ort.
Nach bangen Stunden dann Erleichterung: Polizeisprecher Jürgen Fachinger teilt am Mittag das unblutige Ende mit. «Vor einigen Minuten haben Kräfte der Spezialeinsatzkommandos die Bank betreten und konnten in dem Anwesen zwei Personen feststellen, augenscheinlich unverletzt, die in einem Raum entsprechend eingeschlossen waren. Weitere Personen konnten in dem Objekt nicht festgestellt werden.» Man gehe davon aus, dass es sich bei den beiden Personen um Opfer handele.
Täter weg, Beute unklar
Die Fahndung laufe. Nach seinem Kenntnisstand habe die Polizei keinerlei Kontakt mit den Tätern gehabt, sagte der Sprecher. Es könne sein, dass diese gleich nach der Tat das Gebäude verlassen hätten. Der Notruf sei automatisiert eingegangen. Ob etwas erbeutet worden sei, könne er noch nicht sagen. Dass die Personen im Tresorraum vorgefunden wurden, wolle er weder bestätigen noch dementieren.
«Wir sind über den Tag von einer Geiselnahme ausgegangen», sagte der Polizeisprecher. Ob die Tat mit den aktuellen Erkenntnissen weiterhin so bezeichnet werden könne, müsse geklärt werden. Ein Tatbestand sei Freiheitsberaubung. Ob auch Raub dazuzähle, gab der Sprecher nicht an.
Keine Kunden unter Festgehaltenen
«Wir hoffen, dass wir die Lage ohne Verletzte beenden können», hatte Fachinger am frühen Nachmittag gesagt. «Die Maßnahmen laufen - auch wenn es nach außen nicht so aussieht.» Details wollte er nicht nennen. «Über taktische Maßnahmen machen wir grundsätzlich keine Angaben.» Allerdings sei eine Verhandlungsgruppe vor Ort. «Es besteht keine Gefahr für Menschen außerhalb der Absperrung.»
Es seien wohl keine Kunden unter den Festgehaltenen, hieß es von der Polizei. Es gebe auch keine Erkenntnisse über Tote oder Verletzte. «Es handelt sich um eine Geiselnahme, das kann dauern.» Schulbetrieb und normales Leben sei außerhalb der Absperrung aber möglich. Der Geldtransporter war abtransportiert worden, mehrere Notfallseelsorger waren vor Ort.
Sinzig mit knapp 20.000 Einwohnern liegt etwa 26 Kilometer südlich von Bonn. Im Pfarrheim St. Peter wurde eine Rettungsstation aufgebaut, wie eine Reporterin der Deutschen Presse-Agentur berichtete. Rollbare Liegen wurden vorbereitet, die Fenster mit Sichtschutz verhängt. Vor dem improvisierten Lager standen Autos des Katastrophenschutzes Ahrweiler und des Roten Kreuzes. Einsatzkräfte bereiteten sich auf den Ernstfall vor. Einem Sprecher zufolge handelte es sich um eine reine Vorsichtsmaßnahme. Er sprach von einem Verbands- beziehungsweise Behandlungsplatz.
Aus einiger Entfernung von der Bankfiliale machten sich Menschen aus dem Ort ein Bild von der Lage. «Ich wollte einkaufen gehen, da war direkt alles abgesperrt», sagt ein 84 Jahre alter Mann der dpa. Er wohnt in der Nähe und sei besorgt gewesen, weil seine Tochter häufig die Bank besucht. «Da war ich etwas unruhig.» Zum Glück sei alles in Ordnung.
Schock für Sinziger
Unweit davon steht ein 26 Jahre alter Mann. Er betreibt ein Café, das nun geschlossen sei. «Ein Polizist kam und sagte: Innerhalb von fünf Minuten komplett räumen», erzählt er. «Ich hätte nie gedacht, dass so etwas in Sinzig passiert.» Sein Laden wird wohl geschlossen bleiben müssen. «Ich habe eigentlich bis 17.00 Uhr auf. Da kann man nix machen.»
Ähnlich geht es einem Mann, der einen Friseurladen betreibt. «Auf einmal war Totenstille und Polizei überall. Da wusste man, das ist kein normaler Tag», erzählt der 34-Jährige. Eine Kundin habe angerufen und ihren Termin für den Nachmittag abgesagt. «Es sei ihr zu unsicher. Kann man verstehen, die Angst. Keiner weiß, was passiert.» Er selbst habe gemischte Gefühle. «Hoffen wir, dass alles schnell vorbeigeht.»
In der nahen Kita St. Peter wurden Kinder teils früher abgeholt. Eine Frau sagte, sie komme für ihre Enkeltochter - heute sei ja «Rambazamba» in der Stadt.
«Das Leben geht hier normal weiter»
Nach dem unblutigen Ende des Einsatzes zeigte sich der stellvertretende Bürgermeister von Sinzig, Hans-Werner Adams, erleichtert. «Der Alptraum ist vorbei - oder besser: Zum Glück kam es gar nicht erst so weit», sagte der Kommunalpolitiker. Er spüre Erleichterung, aber auch Bedauern, dass die Täter noch nicht gefasst seien. Er sei optimistisch: «Das Leben geht hier normal weiter.» Am Wochenende finde ein Mitmachmarkt statt. Dann, so Adams, wolle er mit Bürgerinnen und Bürgern ins Gespräch kommen.