Geschichte

NS-Dokuzentrum Bayreuth - es wird die kleine Lösung

30.04.2026, 09:26

Schon lange vor dem Erstarken des Nationalsozialismus waren völkische Ideologie und Antisemitismus im Dunstkreis der Wagner-Festspiele salonfähig. Was wird aus den Plänen für ein NS-Dokuzentrum?

Von den großen Plänen für ein NS-Dokumentationszentrum in Bayreuth bleibt nur eine sehr kleine Lösung übrig. Ursprünglich hatte es das Vorhaben gegeben, im früheren Wohnhaus von Houston Stewart Chamberlain (1855-1927), Schwiegersohn Richard Wagners und Vordenker von Rassismus und Antisemitismus im Dunstkreis der Festspiele, ein NS-Dokuzentrum zu installieren. Dem erteilte nun eine Mehrheit der Mitglieder des Bayreuther Stadtrats eine Absage. Stattdessen befürwortete das Gremium mehrheitlich die Fokussierung auf digitale Angebote. 

Demnach wird es kein physisches Dokuzentrum geben. Renoviert werden soll das Haus gleichwohl, für etwa drei Millionen Euro. Das erläuterte ein Sprecher der Kommune. Momentan beherbergt das Gebäude das Jean-Paul-Museum. Es liegt in direkter Nachbarschaft zum Haus Wahnfried, dem Wohnhaus Wagners und heutigem Richard-Wagner-Museum. 

Wagner-Fan Hitler

Die Debatte um das Dokuzentrum schwelt schon seit vielen Jahren. Immer stärker wurde dabei das Argument der knappen Finanzen. So dass es jetzt zur Entscheidung kam, vor allem auf digitale Angebote zu setzen. Dies soll Projekte und Formate der «aufsuchenden Vermittlungsarbeit», etwa in Schulen ermöglichen, wie es weiter hieß. Denkbar wären auch Pop-up-Formate in Leerständen oder im öffentlichen Raum sowie eine Vernetzung mit schon bestehenden Einrichtungen.

Rund um die Bayreuther Festspiele hatte sich Anfang des 20. Jahrhunderts ein Gerüst aus Rassismus, Antisemitismus und völkischer Ideologie gebildet, das sich die Nationalsozialisten zunutze machten. Adolf Hitler war glühender Verehrer der Werke Richard Wagners und oft in Bayreuth zu Gast - als Freund der Wagner-Familie.