Energie

Start für grenzüberschreitendes Fernwärmeprojekt in Görlitz

28.03.2026, 12:05

Buslinie, Europastadt-Ticket, Brückenpark: Görlitz und Zgorzelec verbinden bereits einige Projekte über die deutsch-polnische Grenze hinweg. Ein weiteres ambitioniertes Vorhaben kommt nun hinzu.

Für Görlitz und die polnische Nachbarstadt Zgorzelec soll die Versorgung mit Fernwärme bis 2030 komplett auf erneuerbare Energieträger umgestellt werden. Das länderübergreifende Energieprojekt mit dem Titel «United Heat» wird seit 2020 geplant und vorbereitet. Mit einem symbolischen Spatenstich beginnt am Dienstag (31. März) der Bau des ersten Teilabschnitts über die Neiße - in Anwesenheit von Politprominenz aus beiden Staaten. Erwartet werden Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) und Polens Energieminister Milosz Motyka.

Nach Angaben der Görlitzer Stadtwerke AG entsteht mit «United Heat» das erste klimaneutrale, grenzüberschreitende Fernwärmenetz zwischen Deutschland und Polen. Die EU habe für das Vorhaben bereits Zuschüsse in einer Gesamthöhe von rund 38 Millionen Euro zugesagt. Der Bund will mehr als 81 Millionen Euro zur Verfügung stellen. Mit Beteiligung der Konzerne Eon und Veolia sollen insgesamt etwa 200 Millionen Euro investiert werden, damit künftig bis zu 50.000 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr eingespart werden.

«Energiegeschichte in der Mitte Europas»

Für den Görlitzer Oberbürgermeister Octavian Ursu (CDU) ist «United Heat» mehr als ein Infrastrukturprojekt. Es sei ein herausragendes Beispiel in der langjährigen Zusammenarbeit beider Städte, die sich 1998 offiziell zur Europastadt erklärt hatten. «Görlitz und Zgorzelec schreiben damit Energiegeschichte in der Mitte Europas», sagte Ursu. 

Laut Stadtwerke ist im ersten Bauabschnitt für «United Heat» geplant, den Standort der Wärmeerzeugung im Görlitzer Stadtteil Königshufen über eine 3,8 Kilometer lange Leitung mit Zgorzelec zu verbinden. Außerdem sollen vier bislang einzelne Fernwärmegebiete auf deutscher Seite zusammengeschlossen werden. Am Ende soll die grenzüberschreitende Wärmeinfrastruktur eine Länge von insgesamt zwölf Kilometern haben. 

Gründung eines Joint Ventures geplant

Entlang der geplanten Versorgungstrasse könnten neue Häuser an das Netz angeschlossen werden, um alte Heizungsanlagen durch moderne, klimaneutrale Erzeugungstechnologien zu ersetzen. Auf beiden Seiten der Neiße sollen an verschiedenen Standorten neue Anlagen gebaut werden, die zu 100 Prozent Wärme aus erneuerbaren Energieträgern erzeugen und ins Netz einspeisen.

Eine gemeinsame Gesellschaft soll die grenzüberschreitende Leitung bauen und betreiben. Die Gründung des deutsch-polnischen Joint Ventures werde derzeit vorbereitet, hieß es aus den Görlitzer Stadtwerken.