Finanzwelt

Italienische Unicredit bietet für deutsche Commerzbank

16.03.2026, 16:02

Die italienische Großbank kündigt eine Milliarde-Offerte für Deutschlands zweitgrößte Privatbank an. Mit einem listigen Manöver will Unicredit-Chef Orcel Commerzbank und Bund zu Gesprächen zwingen.

Von Alexander Sturm und Jörn Bender, dpa

Die italienische Großbank Unicredit treibt mit einem Übernahmeangebot die Commerzbank vor sich her und will Gespräche am Verhandlungstisch erzwingen. «Unsere Botschaft an die Commerzbank heute ist: Es ist jetzt an der Zeit, zu sprechen», sagte Unicredit-Chef Andrea Orcel in einer Telefonkonferenz.

Orcel kündigte an, in den kommenden Wochen einen «konstruktiven Dialog mit der Commerzbank und ihren Stakeholdern» führen zu wollen. Das zielt auf Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp sowie die Bundesregierung, die beide eine Übernahme der zweitgrößten deutschen Privatbank bisher vehement ablehnen.

Die Unicredit wirbt seit langem um die Commerzbank und ist mit einem direkten Anteil von 26 Prozent größter Aktionär des Frankfurter Dax-Konzerns. Inklusive Finanzinstrumenten kontrolliert die Großbank mit Sitz in Mailand 29,9 Prozent der Commerzbank-Anteile. Ab 30 Prozent wäre die Unicredit gesetzlich zu einer Übernahmeofferte verpflichtet.

Nächstes Manöver von Orcel

In einem freiwilligen Tauschangebot wollen die Italiener für sämtliche Commerzbank-Aktien je 0,485 neue Unicredit-Papiere bieten. Das entspreche einem Preis von 30,80 Euro pro Commerzbank-Anteil oder einem Aufschlag von vier Prozent zum Schlusskurs vom 13. März. Damit bewertet die Unicredit die Commerzbank mit knapp 35 Milliarden Euro.

Das Angebot ziele darauf, die rechtlich vorgesehene 30-Prozent-Schwelle zu überwinden. Zugleich betonte die Unicredit, sie erwarte, eine Beteiligung an der Commerzbank von mehr als 30 Prozent zu erreichen, «ohne die Kontrolle zu erlangen».

Offiziell soll das Angebot im Mai vorgelegt werden mit einer Annahmefrist von vier Wochen. Bis spätestens 4. Mai will die Unicredit eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen, um die Zustimmung ihrer Aktionäre für die nötige Kapitalerhöhung einzuholen. Das wäre nur wenige Tage vor der Commerzbank-Hauptversammlung, die für den 20. Mai geplant ist. 

Da die Commerzbank laufend Aktien zurückkauft, erspart sich die Unicredit mit dem Manöver, stetig Commerzbank-Aktien verkaufen zu müssen, um unter der 30-Prozent-Schwelle zu bleiben. Mit dem freiwilligen Übernahmeangebot, das nur einen kleinen Aufschlag vorsieht, hat Orcel die Möglichkeit, weitere Commerzbank-Aktien an der Börse zu kaufen. Ein Pflichtangebot wäre wohl teurer geworden. 

Warum sich die Unicredit für die Commerzbank interessiert

Die Unicredit, die im deutschen Markt mit der Hypovereinsbank (HVB) bereits ein Standbein hat, wirbt seit Monaten für eine Übernahme der Commerzbank. Orcel sieht Chancen in einem kombinierten Geschäft mit Privat- und Mittelstandskunden und argumentiert, Europa brauche im Wettlauf mit den starken US-Geldhäusern größere Banken. Er glaube an Deutschland und den Mittelstand, bekräftigte Orcel am Montag. 

Einstieg auf Umwegen

Die Tür für die Unicredit hatte ausgerechnet die deutsche Vorgängerregierung geöffnet mit einem verunglückten Teilausstieg bei der Commerzbank. Orcel nutzte das, um im September 2024 überraschend bei der Commerzbank einzusteigen. Nach und nach baute die Unicredit ihre Beteiligung aus und löste den deutschen Staat als größten Commerzbank-Aktionär ab. Der Bund hatte die Commerzbank in der Finanzkrise 2008/2009 mit Steuermilliarden vor dem Kollaps bewahrt und hält aktuell noch rund 12 Prozent der Anteile.

Hessens Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) sagte, die Interessen der Mitarbeiter und Commerzbank-Kunden, ein wichtiger Finanzierer für den Mittelstand, müssten in allen Gesprächen «angemessen berücksichtigt werden». Man werde die neue Situation ergebnisoffen prüfen. «Maßstab für uns ist und bleibt, dass der europäische Finanzplatz Frankfurt am Main, Europas Nummer 1, gestärkt und nicht geschwächt wird», sagte Rhein.

Verdi fürchtet großen Jobabbau

Commerzbank-Chefin Orlopp versucht die Eigenständigkeit ihres Hauses mit allen Mitteln zu verteidigen. Sie verordnete dem Konzern ehrgeizige Renditeziele, höhere Dividenden und verkündete den Abbau von etwa 3.900 Stellen, davon den Großteil in Deutschland. Orlopp setzt auf den stark gestiegenen Aktienkurs als Abschreckung gegen die Unicredit - offensichtlich ohne Erfolg. 

Das Szenario einer Übernahme schürt Ängste in der Commerzbank-Belegschaft und bei den Arbeitnehmervertretern. So fürchtet Verdi einen Schrumpfkurs, sollten die Italiener die Kontrolle übernehmen - so wie schon bei der Übernahme der HVB durch die Unicredit 2005. 

Commerzbank-Betriebsratschef Sascha Uebel nannte den jüngsten Schritt der Unicredit «geschäftsschädigend». «Das ist die nächste Stufe der Unverschämtheit. Das ist nicht nur unabgestimmt, das ist feindlich», sagte Uebel der Deutschen Presse-Agentur und kündigte Widerstand an: «Wenn Orcel Synergieeffekte heben will, bräuchte es einen Stellenabbau. Dafür bräuchte er uns Betriebsräte. Die Commerzbank-Betriebsräte haben bewiesen, dass sie zäh sind».