Sport
Daumen hoch: Was das deutsche Olympia-Team erwartet
4.02.2026, 15:56
Vom Dauerregen in Mailand ließ sich der deutsche Chef de Mission die Olympia-Vorfreude nicht verderben. Nach seinen langen Autofahrten durch die Schnee-Landschaften in den italienischen Alpen brachte Olaf Tabor mächtig Zuversicht für viele deutsche Medaillen mit in die nassgraue Mode-Metropole. «Es kann losgehen, der Daumen ist oben», sagte der Leistungssport-Vorstand des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) kurz vor der Eröffnungsfeier am Freitag.
Auf ein konkretes Medaillenziel für das auf viele Standorte verstreute Mega-Ereignis will sich die Teamführung indes öffentlich nicht festlegen. «Eine Zielvorgabe haben wir gar nicht, die Zielvorgabe haben die Athleten für sich allein», sagte Tabor, fügte aber hinzu: «Wir sind eine Wintersport-Nation, wir wollen aufs Stockerl, wir wollen unter die ersten drei Nationen.»
Vor vier Jahren in Peking hatte das deutsche Team 27 Medaillen geholt, davon 12 Mal Gold, 10 Mal Silber und 5 Mal Bronze. Wie schon 2018 in Pyeongchang war die DOSB-Auswahl im Medaillenspiegel damit Zweiter hinter Norwegen geworden.
Größtes deutsches Team der Winter-Geschichte
«Wenn wir diesmal Vierter werden würden, muss niemand enttäuscht sein. Ich hoffe aber, dass wir unseren Platz unter den besten drei Nationen der Welt verteidigen können», sagte DOSB-Präsident Thomas Weikert der Mediengruppe «Münchner Merkur/tz» und betonte: «Wir können nicht beeinflussen, ob wir 5 Goldmedaillen oder 25 gewinnen.»
Mit 185 Athletinnen und Athleten schickt die Dachorganisation das mit Abstand bislang größte deutsche Team zu Winterspielen. 86 Frauen und 99 Männer sind nominiert, rund ein Viertel davon für die beiden Eishockey-Mannschaften. 112 Team-Mitglieder erleben ihre olympische Premiere. Die Jüngste in der deutschen Mannschaft ist die 16 Jahre alte Eishockeyspielerin Mathilda Heine, der Senior ist in Moritz Müller (39) ebenfalls ein Eishockeyprofi.
Deutsche als Top-Favoriten in Olympia-Eisbahn
Die größten Gold-Chancen für die Mannschaft des DOSB dürften sich wieder im Eiskanal bieten. Die Bobpiloten Laura Nolte, Francesco Friedrich und Johannes Lochner sowie die Rodler um Altmeister Felix Loch und den Erfolgs-Doppelsitzer Tobias Wendl/Tobias Arlt starten als Top-Favoriten in ihre Wettbewerbe.
Große Hoffnungen ruhen auch auf Skirennfahrerin Emma Aicher, den Nordischen Kombinierern um Vinzenz Geiger und der rechtzeitig von einer Verletzung zurückgekehrten Snowboarderin Ramona Hofmeister. Im Eiskunstlauf könnten die Paarläufer Minerva Hase und Nikita Volodin für eine ähnliche Sternstunde wie Aljona Savchenko und Bruno Massot 2018 in Pyeongchang sorgen.
Olaf Tabor hofft als Chef de Mission auf schnelle Erfolge. «Den Knoten am ersten Wettkampftag platzen lassen, ein Edelmetall rausspringen zu lassen, das wäre für das gesamte Team D gut», sagte Tabor. Die Chance dafür dürfte sich am Samstag vor allem im Frauen-Skispringen von der Normalschanze mit Selina Freitag und Katharina Schmid bieten.
Eishockey-Turnier mit Superstars
Viel Aufmerksamkeit wird die deutsche Eishockey-Auswahl genießen. Beim Männer-Turnier sind erstmals seit 2014 wieder die Top-Profis aus der Nordamerika-Liga NHL dabei. Die deutsche Mannschaft kann sich daher auf Superstar Leon Draisaitl von den Edmonton Oilers freuen.
Zuerst gehört das olympische Eis in Mailand aber den Frauen-Teams, bei deren zweitem Vorrundenspiel gegen Japan am Samstag auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier auf der Tribüne sitzen wird. «Es ist immer schön, wenn auch von der politischen Seite das Eishockey wahrgenommen wird. Das ist schon eine Ehre», sagte Kapitänin Daria Gleißner.
Medaillenprämien diesmal steuerfrei
Auch die Bundesregierung schaut bei Olympischen Spielen stets genau hin, ob sich die vielen Millionen aus der Sportförderung in Medaillen auszahlen. Sport-Staatsministerin Christiane Schenderlein ließ sich vorab jedoch wie die Teamführung keine Vorgabe für die Ausbeute an Edelmetall entlocken. «Mit Zahlen und genauen Festlegungen ist das immer so eine Sache. Wir wünschen uns natürlich die Top-Platzierungen, aber die Konkurrenz ist auch stark. Ich bin zuversichtlich, dass wir gut abschneiden werden», sagte die CDU-Politikerin der «Süddeutschen Zeitung».
Der finanzielle Anreiz ist für das deutsche Team diesmal größer denn je. Der Bundestag hat jüngst beschlossen, dass die Medaillenprämien bei Olympia und Paralympics von diesem Jahr an steuerfrei sind. Für Gold gibt es von der Sporthilfe 30.000 Euro, für Silber 20.000 Euro und für Bronze 10.000 Euro.