Internationale Beziehungen

Verteidigungsminister Pistorius: USA brauchen Europa

31.01.2026, 11:14

Sollte Europa gegenüber Washington souveräner auftreten? Verteidigungsminister Pistorius warnt vor Angst und betont: Die USA sind auf Europa angewiesen – nicht nur umgekehrt.

Verteidigungsminister Boris Pistorius ruft die europäischen Staaten zu Selbstbewusstsein gegenüber der US-Regierung auf. Es wäre ein Fehler, «wenn wir auf das Weiße Haus starrten wie das Kaninchen auf die Schlange. Dann würden wir den Fokus verlieren auf das, was wir tun müssen: souverän und unabhängiger werden», sagte der SPD-Politiker dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

US-Präsident Donald Trump setze auf Verunsicherung und Angst, um seine Ziele zu erreichen. «Aber wer Angst hat, trifft falsche Entscheidungen. Also lassen wir uns ja gerade nicht einschüchtern», sagte der SPD-Politiker mit Blick auf das Gegenhalten europäischer Regierungen gegen US-Ansprüche auf Grönland.

Kein Zweifel an gemeinsamer Basis der Nato

Die Amerikaner bräuchten Europa so, wie die Europäer die Amerikaner bräuchten, betonte Pistorius. Europa habe für Washington geostrategische und geoökonomische Bedeutung. «Man stelle sich vor, Europa würde zu Russlands Einflusssphäre werden, wenn es (dem russischen Präsidenten) Wladimir Putin gelänge, die Amerikaner hier zu vertreiben oder zu veranlassen, sich zurückzuziehen. Dann lägen die USA zwischen Russland und China. Das wäre sicher nicht im Interesse der Amerikaner.»

Angesprochen auf die Wichtigkeit der US-Luftwaffenbasis in Ramstein sagte der Minister, sie sei der wichtigste Stützpunkt der US-Luftwaffe außerhalb der USA und spiele für die amerikanischen Streitkräfte «etwa mit Blick auf Operationen im Nahen und Mittleren Osten eine sehr zentrale Rolle». 

Auf die Frage, ob Deutschland also auch Drohpotenzial habe, sagte Pistorius: «Mir geht es darum deutlich zu machen, dass auch die USA ein Interesse an unserer engen Partnerschaft haben.»

Er habe nach wie vor keine Zweifel an einer gemeinsamen Basis in der Nato, sagte der Verteidigungsminister. Es gebe auch keine Anzeichen dafür, dass die USA das Verteidigungsbündnis verlassen wollen.