Sportpolitik
Diskussion über WM-Boykott? Das sagen die deutschen Fußball-Bosse
26.01.2026, 15:38
Ligapräsident Hans-Joachim Watzke hält Diskussionen über einen WM-Boykott aktuell für unangebracht. «Ich glaube nicht, dass momentan die Zeit reif ist, über so etwas zu diskutieren. Wenn es irgendwann reif sein sollte, werden wir diskutieren, aber aus meiner Sicht ist das jetzt völlig fehl am Platze», sagte Watzke beim Neujahrsempfang der Deutschen Fußball Liga (DFL) in Frankfurt am Main.
Watze: Keine «größeren Diskussionen» vernommen
Er habe keine «größeren Diskussionen» zu dieser Thematik vernommen, führte der 1. Vizepräsident des Deutschen Fußball-Bundes aus. «Ich habe eine Einzelmeinung irgendwo gelesen.» Dem pflichtete Bayern-Vorstandschef Jan-Christian Dreesen bei. Es seien einzelne Stimmen, die Meinung des DFB sei eindeutig, sagte er. Man habe «in der Vergangenheit noch nie eine WM gesehen, die boykottiert worden wäre».
Dreesen erinnerte an die WM 2018 in Russland, die vier Jahre nach der Annexion der Krim stattgefunden habe. Damals habe die deutsche Nationalmannschaft teilgenommen und er wisse nicht, warum man nicht auch in diesem Jahr am Turnier teilnehmen solle. Der Sport müsse sich auf das «Fußballspielen» konzentrieren, die Geopolitik werde woanders gemacht.
US-Politik in der Kritik
Rund um den Konflikt zwischen den USA und den europäischen Nato-Staaten wegen Donald Trumps Besitzansprüchen auf Grönland hatte es Stimmen aus der Politik gegeben, dass man eine WM-Teilnahme überprüfen müssen. Trumps Vorgehen gegen Einwanderer rief nach den tödlichen Schüssen der US-Einwanderungsbehörde ICE auf einen Krankenpfleger in Minneapolis in den vergangenen Tagen scharfe Kritik hervor. Weitere diskutierte politische Entscheidungen des US-Präsidenten führten noch nicht zu Boykottforderungen, aber warfen Fragen auf.
Zurückhaltung in der Bundesliga
Der DFB-Vizepräsident und St.-Pauli-Clubchef Oke Göttlich forderte zuletzt wegen des Verhaltens von Trump mindestens eine Diskussion über den Boykott der Fußball-WM in den USA, Kanada und Mexiko. Spieler und Verantwortliche aus der Bundesliga äußerten sich in den vergangenen Tagen sehr zurückhaltend.