Türkei
Deutscher Ex-Nationalspieler wettert gegen Boykottaufruf
2.04.2025, 14:51
Inmitten der aufgeheizten politischen Stimmung in der Türkei hat sich der ehemalige deutsche Nationalspieler Mesut Özil gegen einen Boykottaufruf von Regierungskritikern positioniert. «Schaden wir unseren lokalen und nationalen Marken nicht unter dem Deckmantel eines Boykotts. Schützen wir unseren gesellschaftlichen Zusammenhalt!», schrieb er auf der Plattform X.
Der Boykottaufruf der Regierungskritiker richtet sich generell gegen regierungsnahe Firmen und Marken und hat scharfe Kritik vonseiten der Regierung hervorgerufen. Für heute wurde als Zeichen des Protests zu einem allgemeinen Konsumboykott aufgerufen. Die Istanbuler Staatsanwaltschaft hat eine Untersuchung gegen «spalterische Aufrufe und jene, die sie verbreiten» eingeleitet. In den sozialen Netzwerken wurden sie hunderttausendfach geteilt.
Die Festnahme und anschließende Verhaftung des mittlerweile abgesetzten Istanbuler Bürgermeisters Ekrem Imamoglu hat die Türkei in die schwerste Krise seit Jahren gestürzt. Hunderttausende gingen im Anschluss bei regierungskritischen Protesten auf die Straße. Die Partei hat ab kommender Woche wieder zu regelmäßigen Protesten aufgerufen.
Ein Politiker der größten Oppositionspartei CHP fragte Özil mit Blick auf seine Kritik an dem Boykottaufruf in einem Post spöttisch, wessen Nationaltrikot er noch einmal getragen habe. Özil antwortete, sein Einsatz für die deutsche Nationalmannschaft habe nie seine «Loyalität gegenüber meinem Land und meiner Nation» infrage gestellt. Özil gilt seit langem als Sympathisant des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Der türkische Staatschef war Özils Trauzeuge. Seit diesem Jahr ist der 36-Jährige auch Mitglied in einem zentralen Führungsgremium von Erdogans Partei AKP.
Der Staatssender TRT entließ unterdessen eine Schauspielerin aus dem Kader einer bekannten Serie, nachdem sie einen Boykottaufruf in den sozialen Medien geteilt hatte, berichtete die Zeitung Cumhuriyet. Der Sender begründete eine Entlassung mit Beiträgen, die nicht mit den Grundsätzen des Senders vereinbar seien, ohne die Schauspielerin dabei direkt zu nennen. Tausende Nutzer im Netz forderten in den vergangenen Tagen unter anderem den Sänger Robbie Williams und die Band Muse dazu auf, ihre Konzerte in der Türkei abzusagen, weil der Veranstalter sich gegen die Boykottaufrufe ausgesprochen habe. Der Veranstalter zog sich daraufhin aus der Organisation aller Projekte zurück, wie der Chef der Firma auf X mitteilte.